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Erkrankung der Atmungsorgane

Erkältungskrankheiten

Nach chinesischer Vorstellung beruhen Erkältungskrankheiten und grippale Infekte auf einer Schwäche der Lungenenergie, des Lungen-Qi, verbunden mit einer Abwehrschwäche. Auf dem Boden dieser Lungenschwäche dringen klimatische Einflüsse wie Kälte, Feuchtigkeit, Wind oder - selten - Hitze (Sommergrippe) zunächst in die oberflächlichen Körperschichten ein. Kälte verursacht typische Symptome wie Frösteln, Frieren, Kälteschauer, Kälteempfindlichkeit, Kopfschmerzen, Müdigkeit sowie bei tieferem Eindringen Gliederschmerzen. Zunächst ist die Nase betroffen (Schnupfen), später der Rachenraum (Halsschmerzen, Angina) und schließlich sind es, bei tieferem Eindringen, die Bronchien (Bronchitis) und die Lungen (Lungenentzündung).

Das Eindringen von Feuchtigkeit führt zu Schweregefühlen, vor allem der unteren Körperhälfte. Wind bewirkt einen ständigen Wechsel der Beschwerden, ihrer Intensität ebenso wie ihres Ortes.

Aufgrund der Abwehrschwäche und der schwächenden Wettereinflüsse breiten sich Viren und Bakterien aus. Die westliche Medizin versucht, die Bakterien mit Antibiotika zu töten und die Abwehrreaktionen des Körpers, wie Gliederschmerzen oder Fieber, mit Aspirin oder ähnlichen Substanzen zu dämpfen. Gegen Grippeviren gibt es keine medikamentöse Therapie. Eine voreilige oder übertriebene Antibiotikatherapie, wie sie oft fälschlich bei Virusinfekten angewandt wird, ist wenig sinnvoll. Antibiotika haben nach chinesischer Vorstellung eine stark kühlende Wirkung, was den Krankheitsverlauf ungünstig beeinflußt. Die zusätzliche Unterdrückung der natürlichen Abwehrmechanismen des Körpers, z.B. durch frühzeitige Fiebersenkung, verlängert den Krankheitsverlauf. Dies führt zu einer Schwächung der normalen Infektabwehr, weshalb es bei dieser Therapie häufig Rückfälle gibt.

Bei der Therapie von Erkältungskrankheiten konzentriert die chinesische Medizin ihre Aufmerksamkeit auf die Stärkung der Lungenenergie, und damit der Abwehrkraft der Atmungsorgane, und gleichzeitig auf die Beseitigung der in den Körper eingedrungenen Wetterfaktoren. Die Stärkung der Lungenenergie erfolgt durch Moxibustion, gesunde Ernährung, chinesische Atemtherapie und Heilkräutergaben.

Die Akupunktur dient der Eliminierung der eingedrungenen Klimafaktoren, die zu einer Blockade des Fließens der Lebensenergie an der Körperoberfläche und in der Peripherie geführt haben. Diese Therapie ist besonders bei chronischen und langwierigen Infekten angezeigt, wo die natürlichen Wiederherstellungskräfte des Körpers nur noch mangelhaft arbeiten.

Mit der Akupunktur werden, je nach betroffenem Organ, Punkte im Bereich der Nase, der Nebenhöhlen, des Rachens oder der Lunge behandelt und mit Fernpunkten im Bereich der Arme und Beine ergänzt. Die Fernpunkte liegen auf den Meridianen, die durch das Gebiet ziehen, in dem die Hauptbeschwerden auftreten, z.B. bei der Nebenhöhle auf dem Lungen-, Dickdarm- und Magenmeridian. Bei akutem Krankheitsverlauf wird 2-3mal behandelt, bei chronischem 6-8mal.

Neben- und Stirnhöhlenentzündung (Sinusitis), chronischer Schnupfen

Gerade bei chronischen Verläufen einer Neben- bzw. Stirnhöhlenentzündung ist die Akupunktur anderen Therapieformen in ihrer Wirksamkeit überlegen, da es meist gelingt, den chronischen Charakter dieser Erkrankung zu durchbrechen.

Für die chinesische Medizin liegt das Wesen dieser Erkrankungen in einer Blockade der Lebensenergie in den oberen Atmungsorganen bei einer Schwächestörung der Lunge. Mit der Nadelung von Akupunkturpunkten im Bereich der Nase und von Fernpunkten des Lungen- und Dickdarmmeridians gelingt es meist innerhalb von wenigen Sitzungen, die Blockade und damit die Stauung von Schleim in den Neben- bzw. Stirnhöhlen zu beseitigen. Zur Behandlung grundlegender Schwächestörungen sollte man neben der Akupunktur auch Moxibustion und chinesische Atemtherapie anwenden.

Aus: Stux G (1996); Akupunktur: Grundlagen - Techniken – Anwendungsgebiete, Kapitel VI; Beck’sche Reihe Wissen, Verlag C.H. Beck München

 
 
 
 
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