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Rückenschmerzen (Lumbalgie, Ischialgie, Lumboischialgie)

Rückenschmerzen

Die Ursachen von Rückenschmerzen sind vielfältig: Einfache Lumbalgien beruhen meist auf Verspannungen der Rückenmuskulatur infolge von Mangel- oder Fehlbelastung, Wettereinflüssen wie Kälte, Feuchtigkeit oder Wind, und psychischen Spannungen. Bei schweren Rückenschmerzen können durch langanhaltende Fehlbelastungen die kleinen Wirbelgelenke betroffen sein, die dann einen chronischen Schmerzreflex mit begleitenden Muskelverspannungen aufrechterhalten. Auch ein Verschleiß bzw. Knochenumbildungen mit deutlichen Veränderungen der Wirbel und Einengung der Nervenaustritte können bei chronischen Rückenschmerzen vorliegen.

Wenn die Schmerzen hinten oder seitlich in das Bein ausstrahlen, liegt eine Reizung des Ischiasnerves vor, man spricht von Ischialgie; wenn die Ausstrahlung von deutlichen Kreuzschmerzen begleitet wird, von Lumboischialgie. In seltenen Fällen kommt es zu einem Bandscheibenvorfall (Prolaps), der auf die Zwischenwirbelnerven Druck ausüben kann.

Akupunkturtherapie ist bei den verschiedensten Formen von Rückenschmerzen und Ischialgien wirksam. Neben einer im herkömmlichen Sinn "schulmedizinischen" Diagnose ist vor der Akupunkturtherapie eine Beurteilung der Symptome nach den Prinzipien der chinesischen Medizin erforderlich. Besonders die Zuordnung zu den Meridianen (Harnblasen- oder Gallenblasenmeridian) ist von großem Wert. Häufig liegt den chronischen Rückenschmerzen aus chinesischer Sicht auch eine energetische Schwäche der Niere zugrunde. Dann findet man oft kalte Füße und behandelt zusätzlich zur Akupunktur mit Moxibustion. Bei der Akupunkturtherapie kombiniert man Nahpunkte des Blasenmeridians, der neben der Wirbelsäule liegt, mit Punkten des Lenkergefäßes. Fernpunkte wählt man entlang des Blasen- oder Gallenblasenmeridians aus. Auch die begleitende Ohrakupunktur kann den Heilungserfolg unterstützen. Eine Bestrahlung von Akupunkturpunkten mit Laserlicht, also die Laserakupunktur, oder die elektrische Stimulation von Akupunkturnadeln zeigt gute Wirksamkeit.

Bei akuten Formen wie Hexenschuß nach einer plötzlichen unglücklichen Bewegung, hilft die Akupunktur meist schon nach ein bis zwei Sitzungen. Hier sollte keine Massage oder Wärmebehandlung erfolgen. Bei chronischen Rückenschmerzen hingegen sind oft 10-20 Behandlungssitzungen erforderlich, um eine deutliche langanhaltende Schmerzlinderung zu erzielen. Begleitende Moxibustion ist oft sehr wirksam. Bei Schmerzen nach Bandscheibenoperation sind oft über 20 Behandlungen notwendig. Chronische Rückenschmerzen zählen neben der Migräne zu den wichtigsten Erkrankungen, bei denen Akupunktur zu einer dauerhaften Schmerzlinderung führen kann.

Hüftgelenkschmerzen (Koxarthrose)

Die häufigste Ursache der Hüftgelenkschmerzen sind Verschleißerscheinungen (Arthrose), die meist im höheren Alter auftreten. Chronische Fehlbelastungen, z.B. durch einseitige Knieschmerzen, kommen seltener als Ursache in Frage.

Wie bei allen Arthrosen liegt bei der Hüftarthrose nach chinesischer Vorstellung eine Schwächestörung vor allem der Nieren vor, die eine tonisierende Behandlung, also auch Moxibustion, erforderlich macht. Neben der Körperakupunktur mit Punkten des Gallenblasenmeridians ist die Ohrakupunktur hier wirksam. Von allen Gelenken des Körpers spricht das Hüftgelenk am wenigsten auf die Körperakupunkturtherapie an. Gerade deshalb ist hier die Kombination mit anderen Methoden, z.B. der Ohrakupunktur, anzuraten. Bei Hüftarthrose sind in der Regel 10-20 Akupunktursitzungen erforderlich, um die Schmerzen dauerhaft zu reduzieren.

Tennisellenbogen (Epikondylitis)

Auch berühmte Tennisspieler wie Ivan Lendl wurden mit Akupunktur behandelt. Der Tennisarm ist eine Erkrankung des Ellenbogengelenks mit starken Schmerzen, oft verbunden mit dadurch ausgelöster Bewegungseinschränkung. Häufig ist der Ansatz (Übergang) der Sehnen am Knochen sehr schmerzhaft, man spricht dann von einem Reizzustand. Neben den Sehnen können auch die Muskeln des Unterarmes schmerzen. Häufigste Ursache ist eine chronische Überlastung des Ellenbogengelenks, die auch vom Tragen schwerer Taschen verursacht sein kann, also nicht nur vom Tennisspielen.

Bei der Akupunkturtherapie werden zunächst die Punkte gesetzt, die im Bereich der meisten Schmerzen liegen, ergänzt durch Fernpunkte an der Hand. In manchen Fällen werden noch Akupunkturpunkte im Nacken und an den Beinen genadelt. Auch Moxibustion, d.h. das Anwärmen von Akupunkturpunkten, kann in chronischen Fällen nützlich sein. Bei besonders langwierigen Verläufen mit knochennahen Schmerzen empfiehlt sich die Laserbestrahlung dieses Gebiets. In der Regel sind beim Tennisarm 5-10 Akupunktursitzungen ausreichend. In seltenen Fällen jedoch können bis zu 20 Behandlungen nötig sein, bis eine vollständige Schmerzfreiheit erzielt ist. Während der Akupunkturbehandlung sollte der Arm geschont werden.

Kniegelenkschmerzen (Gonarthrose)

Schmerzen des Kniegelenks lassen sich durch Akupunktur besonders gut lindern. Auch bei schweren Gelenkveränderungen infolge von Arthrose tritt oft schon nach 2-3 Wochen eine dauerhafte Besserung der Knieschmerzen ein. Gelenkschmerzen durch übermäßige Belastungen, wie sie häufig durch Sport verursacht werden und vor allem die Kniescheibe betreffen, lassen sich mit Akupunktur ebenfalls dauerhaft heilen. Im Mittelpunkt der Therapie stehen die drei Punkte rund um die Kniescheibe, die "Kalbsnüstern" genannt werden. Daneben spielen druckempfindliche Punkte im Bereich des Kniegelenks eine wichtige Rolle. Fernpunkte auf den zugehörigen Meridianen werden meist kräftig stimuliert, um die Schmerzlinderung zu fördern. In der Regel sind 8-15 Behandlungssitzungen erforderlich, um eine deutliche Verminderung der Schmerzen zu erreichen. Auch die Gelenkdurchblutung bei Arthrosen kann durch die Akupunkturtherapie in Verbindung mit Moxibustion gebessert werden.

Aus: Stux G (1996) - Akupunktur: Grundlagen - Techniken – Anwendungsgebiete, Kapitel VI; Beck’sche Reihe Wissen, Verlag C.H. Beck München

 
 
 
 
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