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Kleiner Exkurs zur Darmflora

Unter der Darmflora wird die natürliche Zusammensetzung einer unendlichen Vielzahl unterschiedlicher Bakterien und Hefen verstanden, die sich jeder Mensch nach seiner Geburt erwirbt. Auch wenn es kurzzeitig zu einer Veränderung dieser Zusammensetzung durch Infektion oder Nahrungsumstellung kommen kann: Die natürliche und individuelle Zusammensetzung der Darmflora wird lebenslang unverändert beherbergt.

Die Aufgabe der Darmflora

  1. Es werden Verdauungsenzyme gebildet, um Nahrungsbestandteile abzubauen.
  2. Die Darmschleimhaut selbst wird ernährt und ständig erneuert.
  3. Überwucherungen mit Fremdkeimen werden verhindert.
  4. Das Immunsystem (Abwehrsystem) wird ausgebildet und gestärkt
  5. Aufrechterhaltung der normalen Darmfunktion.

Von der Gesamtmasse des Darminhalts bestehen mehr als 40 Prozent aus lebenden oder abgestorbenen Bakterien der natürlichen Darmflora. Dies ist nicht eine willkürliche Laune der Natur, sondern dient wichtigen Aufgaben und Funktionen der Verdauung und des Abwehrsystems.

Intensive Untersuchungen in den letzten Jahren haben gezeigt, daß der gesamte Verdauungstrakt über ein weitgehend autonomes Immunsystem (eigenständiges Abwehrsystem) verfügt. Dabei werden die Mechanismen der Abwehr in eine humorale (über Botenstoffe) und in eine zelluläre Immunität unterteilt.

Abwehr von Antigenen
Abwehr von Antigenen im Darm

1 Darminneres,
2 oberste Zellschicht,
3 Schleimhaut,
4 Muskelschicht,
5 Blutgefäß

Gelangt beispielsweise eine allergisierende Substanz, ein sogenanntes Antigen in den Darm, erfolgt eine unmittelbare Antwort des humoralen Abwehrsystems über eine vermehrte Bildung sogenannter Immunglobuline (Eiweißkörper). Im Darm handelt es sich dabei zum allergrößten Teil um Immunglobulin A (IgA), welches von bestimmten Zellen gebildet und über die Schleimhaut in den Darm sezerniert (abgesondert) wird. Immunglobuline können die Darmschleimhaut mit einem feinen Film überziehen und dadurch eine zusätzliche Barriere aufbauen, die den Körper vor dem Eindringen krankmachender Keime oder schädigender Nahrungsbestandteile über die Darmwand schützt.

Bei Personen, denen das sekretorische Immunglobulin A (IgA) fehlt, kommt es regelmäßig zu Durchfällen. In diesem Zusammenhang muß erwähnt werden, daß die Muttermilch für Säuglinge einen enormen Vorteil bietet, weil sich in dieser Milch bestimmte Mengen des Immunglobulins A (IgA) von der Mutter befinden, welche der Säugling aufnimmt. Offenbar kann er dadurch vor einigen Darminfektionen und Durchfällen wirksam geschützt werden.

Phagozytierende Zelle

Das zelluläre Abwehrsystem zeichnet sich durch bestimmte Zellen aus, die in der Lage sind, Bakterien und andere schädigende Stoffe zu phagozytieren (sogenannte Freßzellen). Dazu umfließen sie den zu entfernenden Fremdstoff und nehmen ihn in ihr Zellinneres auf. Die zur Phagozytose befähigten Zellen werden Phagozyten oder Makrophagen genannt und befinden sich in großer Zahl in bestimmten Regionen der Darmschleimhaut, z.B. auf den sogenannten Peyerschen Plaques.

Es besteht heutzutage kein Zweifel daran, daß die Ausbildung und Stärke der speziellen Abwehrfunktion im Darm eng mit der individuellen Keimbesiedlung (Darmflora) zusammenhängt. Werden Neugeborene einer weitgehend keimfreien Umgebung ausgesetzt, kann sich das Immunsystem nicht genügend ausbilden und bleibt schwach, weil ihm die Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Erregern fehlt.

Gelangen aber Bakterien mit der Nahrung in den Verdauungstrakt, werden sie dort direkt von den dafür zuständigen Zellen als fremd erkannt. Da es sich dabei um sogenannte Gedächtniszellen handelt, erkennen diese jeden Keim oder Fremdstoff, dem sie jemals zuvor begegnet sind, sofort wieder. Auf ein Erkennungssignal dieser Zellen hin werden dann die Antikörper gebildet, die sich an der Darmschleimhaut ansiedeln und hier die Voraussetzung bieten, sofort und unmittelbar nach dem Eindringen eines Fremdstoffes eine entsprechende Gegenoffensive zu starten. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sind die Antikörper auch diejenigen Stoffe, die das Wachstum der körpereigenen Darmkeime auf ein Normalmaß begrenzen und die Ausbreitung fremder und infektiöser Keime verhindern.

Es besteht also ein synergistisches Zusammenwirken zwischen der Keimbesiedlung des Darmtraktes und der Immunabwehr. Es läßt sich damit auch leicht erklären, warum jede qualitative oder quantitative Änderung der obligaten Darmkeime eine Störung in diesem ausbalancierten System bedeutet. Ist das Gleichgewicht zwischen der Darmbesiedlung und dem Immunsystem aber gestört, können krankmachende Keime die natürliche Darmflora verdrängen und die Darmschleimhaut überwuchern. Verdauungsstörungen und Durchfall sind die unausweichliche Folge einer solchen mikrobiellen Überwucherung des Darmes mit fremden pathogenen (krankmachenden) Keimen.

Da unsere Nahrung nicht steril ist (und auch nicht sein sollte), werden mit jeder Mahlzeit eine Vielzahl unterschiedlicher Keime in den Verdauungstrakt eingebracht. Bei einem gestörten ökologischen Gleichgewicht können diese Fremdkeime sich ungestört ausbreiten und den Darmtrakt überwuchern. Einige dieser Erreger setzen spezielle Giftstoffe (sogenannte Bakterientoxine) frei, andere vermehren sich explosionsartig und tapezieren die Darmschleimhaut zu.

 
 
 
 
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