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Mechanismen der Diarrhoe

Die Schleimhautzellen des Darmes sind wesentlich daran beteiligt, daß sich der Flüssigkeitshaushalt des Körpers in einem ausgewogenen Gleichgewicht befindet. So werden die mit der Nahrung und beim Trinken aufgenommenen Flüssigkeiten ebenso wie die körpereigenen Sekrete von diesen Zellen resorbiert, damit dem Organismus die notwendige Flüssigkeit, Nährstoffe und Elektrolyte zur Verfügung stehen.

Sowohl die Vermehrung krankmachender Keime als auch die Freisetzung der bakteriellen Gifte können die Funktion des Darmes stören und einen Durchfall hervorrufen. Meist haften sich die fremden Erreger an die Schleimhaut und vermehren sich an der Darmoberfläche. Dies führt zu einer quantitativen Überlegenheit krankmachender Keime und/oder vermehrt anfallenden Bakterientoxinen, die auf unterschiedliche Weise zu Durchfall führen.

Einige Keime, sogenannte invasive Erreger, dringen in die obersten Zellschichten der Darmschleimhaut ein und verursachen hier reale Schädigungen der Darmschleimhaut. Die so lädierten Zellen reagieren mit einer Entzündung und mit vermehrter Abgabe von entzündlichem Sekret in das Darminnere, was den bekannten sekretorischen Durchfall auslöst.

Wieder andere Keime, wie beispielsweise die Salmonellen, dringen bis in die tiefen Schichten der Darmwand ein und verursachen eine Entzündung aller Darmwandschichten. In den tieferen Darmwandschichten wird dabei offenbar ein aktiver Transportmechanismus derart geschädigt, daß Wasser und die darin gelösten Elektrolyte aktiv in den Darm einfließen können und zu schweren Durchfallformen führen.

Auslöser von Verstopfung und Durchfall

Einer Darmträgheit (Verstopfung) liegt meist eine mangelnde Beweglichkeit (Peristaltik) des Darmes zugrunde. Der Zeitraum, in dem der Nahrungsbrei die unterschiedlichen Darmabschnitte durchläuft, wird dadurch erheblich verlängert. Der verlängerte Kontakt des Darminhalts mit der Darmwand führt dazu, daß die Menge der entzogenen Flüssigkeit zu groß ist.

Querschnitt

Der Stuhlgang wird eingedickt und zu sehr verhärtet. Auch nimmt das Stuhlvolumen dadurch erheblich ab, was wiederum dazu führt, daß nur kleine Mengen eines zu festen Stuhlgangs entleert werden können. Damit ist das klassische Bild der Verstopfung gekennzeichnet.

Die Unterscheidung der Durchfallarten kann nach den zugrundeliegenden Pathomechanismen (Erkrankungsauslösern) getroffen werden. In erster Linie werden sekretorische, osmotische und funktionelle Diarrhoe unterschieden.

Nach dieser Unterscheidung kann eine mögliche Ursache des Durchfalls ein krankheitswertiger Sekretionsmechanismus sein. Dieser liegt vor, wenn eine zu große Flüssigkeitsmenge von den gereizten oder entzündeten Schleimhautzellen des Darmes in das Darminnere (Darmlumen) abgegeben wird.

Dafür verantwortlich ist wiederum häufig eine Infektion mit pathogenen Erregern, die auf unterschiedlichen Wegen in den Darm gelangt sind und einen Durchfall hervorrufen. Viren, Bakterien und Protozoen gehören zu den möglichen Erregern einer solchen Darminfektion.

Flüssigkeitsmenge im Darminnern
Häufige Durchfallursachen
  • Infektionen des Darms durch Viren, Bakterien oder Protozoen (Einzeller)
  • Schädigung der Darmzellen durch Gifte (Toxine), die von den Erregern gebildet werden
  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen
  • Systemische Erkrankungen (Schilddrüsenerkrankung, AIDS)
  • Behandlung mit bestimmten Medikamenten wie Antibiotika
  • Psychogene Ursachen wie Streß

 

Ein weites und vielfach noch unzureichend erforschtes Gebiet betrifft diejenigen Durchfälle, die aufgrund einer Enzymstörung oder einer Nahrungsmittelintoleranz entstehen.

Werden zu große Mengen osmotisch wirksamer Bestandteile mit der Nahrung aufgenommen, führt dies zu einem Konzentrations-Überschuß im Darmlumen. Dies erfordert die Sezernierung (Abgabe) einer größeren Flüssigkeitsmenge in den Darm, um wieder eine osmotische Balance herzustellen. Mit der größeren Flüssigkeitsmenge wird der Darminhalt und so das Stuhlvolumen vergrößert. Die Darmpassage ist beschleunigt, der Stuhl ist weich bis flüssig, und man spricht von einer osmotischen Diarrhoe (Durchfall).

Darmlumen

Unterschiedliche Darmerkrankungen können die Durchlässigkeit (Permeabilität) der Schleimhaut herabsetzen. Für die Flüssigkeit und die darin gelösten Elektrolyte und Mineralstoffe läßt sich eine auf diese Weise krankhaft veränderte Darmwand nur erschwert oder überhaupt nicht durchdringen. Die dadurch im Darm verbleibende Flüssigkeit mit den darin gelösten osmotisch wirksamen Stoffen führt unausweichlich zu Durchfall.

Dieser Mechanismus spielt wahrscheinlich auch eine Hauptrolle bei einem sogenannten Malabsorptions-Syndrom (Mangelverdauung). Aber auch bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa gehört dieser Mechanismus zu den bestimmenden Symptomen des Krankheitsbildes.

Infektiöser Durchfall

Krankmachende Erreger, die in den Darm gelangt sind, werden für sehr unterschiedliche Formen der Durchfallerkrankung verantwortlich gemacht. Erreger, die eine Entzündung der Darmschleimhaut hervorrufen, führen häufig zum sekretorischen Durchfall. Ähnlich wie bei einem Schnupfen reagiert die Schleimhaut auf die Entzündung mit einer erhöhten Produktion mehr oder weniger flüssigen Sekretes, welches in das Darmlumen abgegeben wird. Dadurch wird der Stuhl erweicht, und breiige bis dünnflüssige Stühle werden abgesetzt.

Andere Durchfallerreger wiederum setzen toxische (giftige) Stoffe frei, die zu einer Schädigung bis Zerstörung der Darmwandzellen führen. Sind diese geschädigten Zellen nicht mehr oder nur sehr eingeschränkt in der Lage, die im Darm befindliche Flüssigkeit zu resorbieren (aufzunehmen), verbleibt eine große Flüssigkeitsmenge im Darm, und der Stuhl kann im Dickdarm keine geformte Konsistenz annehmen.

Durchfall ist ein nahezu regelmäßiges Symptom bei einem gereizten Darm oder einer gereizten Darmschleimhaut (z.B. Reizdarmsyndrom). Hierbei spielen unterschiedliche körpereigene und körperfremde Stoffe eine wichtige Rolle. Gut bekannt ist ein Durchfall, der in Streß-Situationen, besonders wenn ein Examen bevorsteht, regelmäßig auftritt. Man nennt dieses Phänomen auch Examensstühle.

Körpereigene Substanzen, wie Hormone, Transmitter und Stoffwechselendprodukte sind bei einigen Menschen durchaus in der Lage, mehr oder weniger regelmäßig einen Durchfall hervorzurufen. Der Arzt spricht in solchen Fällen meist von funktionellen Durchfällen oder von einem chronischen Reizdarmsyndrom.

Auch Medikamente müssen hier genannt werden, und Antibiotika sind wohl die bekannteste Substanzgruppe, durch die Durchfälle verursacht werden können. Dabei wird entweder die natürliche Darmflora empfindlich gestört, oder das Medikament übt einen direkten Reiz auf die Darmschleimhaut aus.

 
 
 
 
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