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Krampfadern

Eine Zivilisationskrankheit mit zunehmender Tendenz

Krampfadern

Venenerkrankungen stellen in der Bevölkerung ein bedeutendes gesundheitliches Problem dar. Sie sind zu einer Zivilisationskrankheit mit zunehmender Tendenz geworden. Viel zu oft sind Venenkrankheiten früher als Lappalie abgetan worden. Bereits vor mehr als 2500 Jahren wußten griechische Priester, die gleichzeitig Ärzte waren, um die Problematik von Krampfadern und Thrombosen. Eine 2500 Jahre alte Votivtafel aus den Asklepiostempeln, auf denen Krampfadern dargestellt werden, weist darauf hin.

  • Jede 2. Frau und jeder 4. Mann leiden an Krampfadern.
  • Jeder 8. Erwachsene ist von einer bereits fortgeschrittenen chronischen Venenerkrankung betroffen.
  • Mehr als 1,2 Millionen Menschen haben ein offenes Bein ("ulcus cruris") nach meist durchgemachten Thrombosen.
  • Die Zahl der tödlichen Lungenembolien pro Jahr wird in Deutschland auf über 30.000 geschätzt, damit nimmt die Lungenembolie in der Todesursachenstatistik unverändert den 3. Platz ein.

Die Gründe liegen hauptsächlich in unserer ungesunden, bewegungsarmen Lebensweise. Hinzu kommen Übergewicht, zu enge Hosen und Strümpfe, langes Sitzen oder Stehen und balaststoffarme Ernährung. Allen voran aber steht die erbliche Veranlagung. Bei über 90 % aller venenkranken Patienten besteht eine familiäre Veranlagung. Ganz ohne familiäre Disposition entstehen nur selten Krankheiten des oberflächlichen Venensystems. Auch Hormone, hier die Östrogene und Gestagene, können sich ungünstig auf Patientinnen auswirken, die bereits venenkrank sind. Dennoch muß wegen eines Venenleidens nicht immer auf die "Pille" verzichtet werden. Empfehlenswert sind allerdings Präparate mit einem niedrigen Östrogenanteil. Die "Pille" allein führt in der Regel auch nicht zu einer Thrombose in den tiefen Beinvenen. Es müssen schon zusätzliche andere Risikofaktoren hinzukommen. Ein weiterer Risikofaktor ist das Alter. Es ist unbestritten, daß in zunehmendem Alter die Anzahl und Ausprägung der Venenerkrankungen ansteigen. Die wichtigsten Risikofaktoren für Venenkrankheiten sind:

primäre Risikofaktoren
  • erbliche Veranlagung
  • Geschlecht
  • Schwangerschaft und hormonelle Einflüsse sekundäre Risikofaktoren
  • Alter
  • Übergewicht
  • Stehende Tätigkeit
  • Bewegungsmangel
  • Ungünstige Kleidung

Die Venen sind Schwerstarbeiter

Die Hauptaufgabe der Venen im Blutkreislauf besteht darin, das sauerstoffarme und von Nährstoffen entladene Blut in den peripheren Organen wie Muskeln, Haut und Knochen zu sammeln und zum Herzen zurückzutransportieren. Neben der Aufgabe des Rücktransportes des sauerstoffarmen und kohlesäurebeladenen Blutes zum Herzen, haben die Venen noch eine wichtige andere Aufgabe. Sie dienen als Speicherorgan für das Blut. Über 80 % der gesamten Blutmenge werden in den Venen gespeichert. Die dritte große Aufgabe des Venensystems ist die Wärmeregulation des Organismus.

Wir unterscheiden zwischen einem oberflächlichen und einem tiefen Venensystem. Die oberflächlichen Venen, die an Armen und Beinen zum Teil gut sichtbar sind, verlaufen direkt unter der Hautoberfläche und oberhalb der Bindegewebsmuskelhülle. Das tiefe Venensystem besteht aus drei Unterschenkelvenen, die jeweils meist paarig angelegt sind.

  • vordere und hintere Schienbeinvenen sowie die Gruppe der Wadenbeinvenen
  • die Kniekehlenvene (medizinisch: Vena poplitea)
  • die tiefe Oberschenkelvene (medizinisch: Vena femoralis)
Venenklappen

Unter normalen Bedingungen werden etwa 90 % der venösen Gesamtblutmenge über das tiefe, und nur 10 % über das oberflächliche Venensystem abgeleitet. Fast überall, am Unterschenkel jedoch stärker ausgebildet als am Oberschenkel, gibt es Verbindungsvenen (Venae perforantes), die die oberflächlichen Venen mit dem tiefen Venensystem verbinden. Venenklappen bestimmen die Flußrichtung des Blutes Damit das Blut in den Venen stets in die richtige Richtung fließt, gibt es Venen klappen, die den Blutfluß regulieren. Venenklappen finden sich sowohl im oberflächlichen als auch im tiefen Venensystem in großer Zahl. Jede Venenklappe besteht aus zwei Klappensegeln, die wie Ventile funktionieren und schleusenartige Sperren darstellen, die das Blut nur in Herzrichtung passieren lassen und einen Blutrückstrom zum Bein verhindern. Wenn der Venenklappenapparat intakt ist, entsteht praktisch eine "Einbahnstraße zum Herzen", auf der das Blut "pater-nosterartig" zum Herzen zurücktransportiert wird. Wenn Venenklappen anlagebedingt fehlen oder durch eine Venenerkrankung zerstört werden, kommt es zu einem Blutrückfluß fußwärts mit allen krankhaften Erscheinungen, über die wir später noch berichten werden. Die Venenklappen sind da am wichtigsten, wo kleinere Venen in größere Venen ein münden. In diesen Bereichen nennen wir die Venenklappen auch "Mündungsklappen".

Wenn in diesen Mündungsbereichen, also an wichtigen strategischen Stellen, die Mündungsklappen nicht schließen, hat dies Auswirkungen auf das gesamte nachfolgende Venensystem, weil es dadurch zu einer massiven Druckerhöhung in der gesamten Vene von zentral her kommt. Praktisch bedeutet dies, wenn beispielsweise die Mündungsklappen an der großen Vene (Vena saphena magna) nicht dicht sind, kommt es zu einem Blutrückfluß aus der tiefen Oberschenkel und Beckenvene. Dieser Vorgang ist ursächlich verantwortlich für die Entstehung eines Krampfaderleidens dieser ober flächlichen Stammvene. Die wichtigsten Hilfestellungen beim Bluttransport in aufrechter Haltung leistet die sogenannte "Wadenmuskelpumpe" der Beinmuskulatur. Sie setzt sich aus mehreren Teilabschnitten zusammen und beginnt im Bereich der Zehen und in der Fußsohle, wo beim Gehen und Auftreten die Blutgefäße zusammengepreßt und dadurch entleert werden. Der Pump-Saug-Mechanismus wird dann fortgesetzt durch eine sogenannte "Sprunggelenkspumpe". Die höchste Pumpkraft wird aber sichergestellt durch die Muskulatur im Unterschenkel bereich, vor allem durch die Wadenmuskeln

Wie kommt es zu Krampfadern

Krampfadern, medizinisch "Varizen" oder "Varikose" oder "Varikosis", sind die häufigsten Erkrankungen der oberflächlichen Beinvenen. Althochdeutsch wurden im Mittelalter Krampfadern als "Krummader" bezeichnet. Mit dem Wort "Krampf" haben Krampfadern eigentlich nichts zu tun. Im Laufe der Sprachentwicklung ist aus "Krummader" das Wort "Krampfader" ent standen. Die häufigste Form der Krampfadern ist in über 70 % der Fälle die "primäre Varikosis". Ursächlich liegt – wenn man so will – eine angeborene Venenwandschwäche vor. Primäre Varizen entstehen durch eine venöse Stauung, durch Veränderungen der Venenwand und durch nicht mehr funktionierende Venenklappen im oberflächlichen Venensystem. Natürlich spielen bei diesem Vorgang die Venenklappen auch eine ganz bedeutsame Rolle. Die "sekundäre Varikosis" entsteht nicht anlagebedingt durch eine Venenwand schwäche, sondern infolge von Verlegung en oder Verstopfungen (Thrombosen) der tiefen Venen. Wenn die tiefen Leitvenen das anfallende Blut nicht mehr abtransportieren, kommt es zu einem starken Druckanstieg, die Gefäßwände dehnen sich aus und das Blut fließt in falscher Flußrichtung über die Perforatorvenen, die auch als Verbindungsvenen (Venae communicantes) bezeichnet werden. Es kommt zu einem Rückstau ins oberflächliche Venensystem. Unter dem gesteigerten Druck dehnen sich dann die oberflächlichen Venen zylinderartig oder sackförmig aus und es kommt zum typischen Bild einer geschlängelt verlaufenden und erweiterten Krampfader. Bei der primären Varikosis werden – je nach dem, in welchen Venen des oberflächlichen Venensystems sie auftreten – folgende verschiedene Varizenarten unterschieden:

  • Stammvarikosis
  • Seitenastvarikosis
  • Retikuläre Varikosis
  • Perforansvarikosis
  • Besenreiservarikosis
Besenreiser
Was sind Besenreiservarizen?

Die Besenreiservarizen sind winzige, in der obersten Hautschicht verlaufende, kleine rötlich-bläuliche Äderchen, die sich fächerartig ausbreiten. Sie entstehen manchmal ohne ersichtlichen Grund, treten aber gehäuft bei einer Schwangerschaft auf und verschwinden danach oftmals wieder. Am häufigsten treten Besenreiser an der Außenseite der Oberschenkel, seltener am Unterschenkel oder in den Kniekehlen auf. Besenreiser sehen zwar nicht schön aus, meist sind sie aber harmlos. Dennoch soll ten auch Besenreiser nicht als Lappalie abgetan werden, da sie auch erstes Anzeichen einer Venenerkrankung sein können.

Wie machen sich Krampfadern bemerkbar?

Die wichtigsten und häufigsten Krankheitszeichen sind:

  • Schwere, müde Beine (vor allem in der warmen Jahreszeit)
  • Spannungsgefühl in den Beinen
  • Geschwollene Unterschenkel und Knöchel, besonders abends
  • Beschwerdezunahme bei längerem Stehen oder Sitzen und bei Wärme
  • Selten: nächtliche Wadenkrämpfe
  • Selten: Kribbeln bzw. Unruhegefühl in den Beinen
Komplikationen
Komplikationen des Krampfaderleidens

Schon durch ein Krampfaderleiden alleine, d.h. es müssen gar keine Thrombosen im tiefen Venensystem abgelaufen sein, können sich Ernährungsstörungen der Haut einstellen. Die Haut kann sich bräunlich verfärben und kann sich verdicken. In fort geschrittenenen Fällen kann die Haut so verändert werden, daß Unterschenkelgeschwüre oder "ein dickes Bein" (medizinisch: ulcus cruris) entsteht. Das venöse Beingeschwür ist oft das Endstadium einer chronischen Venenerkrankung. Durch den gestörten Blutfluß in einer erweiterten Krampfader entwickelt sich nicht selten eine örtlich begrenzte Entzündung. Es kommt zu einer deutlichen Erwärmung und Rötung der betroffenen Vene und es entsteht ein massiver Druck schmerz in diesem Bereich. Wir sprechen in solchen Fällen von einer oberflächlichen Venenentzündung (medizinisch: Variko-Phlebitis). Durch eine kleinste Verletzung kann auch mal eine Krampfader platzen (medizinisch: Varizenruptur). Es kann so relativ schnell zu einem hohen Blutverlust kommen.

Sofortmaßnahmen bei Krampfaderruptur
  • Hochlagerung des Beines
  • Saubere, am besten sterile Wundauflage und Druckverband
  • Sofort Arzt rufen oder aufsuchen

Wichtig: Wenn es einmal zu einer Varizenruptur gekommen ist, sollte dies Anlaß sein, die Krampfadern behandeln zu lassen!

Welche Behandlungsmaßnahmen gibt es?

Moderne Therapiekonzepte beim Krampfaderleiden

Eine Heilung ist bei Krampfadern praktisch nicht möglich. Wenn Sie jedoch frühzeitig zum Arzt gehen und auch entsprechend frühzeitig Ihr Venenleiden behandeln lassen, haben Sie schon recht gute Aussichten, daß die Krankheit nicht schlimmer, sondern sogar gebessert wird. Ob und wie Ihr Krampfaderleiden behandelt werden muß, hängt vom Typ der Krampfadern, vom Ort und vom Ausmaß der Venenveränderungen und auch von den individuellen Beschwerden ab.

Die Verödung (Sklerosierung)

Dieser kleine Eingriff wird meist zur Ausschaltung von Besenreisern und kleinen Seitenast-Krampfadern angewandt. Dabei spritzt der Arzt mit einer sehr feinen Nadel eine Verödungsflüssigkeit in die Krampfader hinein. Es wird dadurch eine künstliche Entzündung erzeugt. Durch das Zusammendrücken der Vene mittels eines kleinen Tupfers verkleben so die Venenwände und die Vene wird dauerhaft verschlossen. Wichtig ist jetzt eine konsequente nachfolgende Kompressionsbehandlung. Große Stammvarizen sollten nicht verödet werden, nur kleine Seitenäste kommen für diese Therapie in Frage. Auch die retikuläre netzförmige Varikosis kann so behandelt werden.

Nicht verödet werden darf bei

  • Bettlägrigkeit
  • Eingeschränkter Gehfähigkeit
  • Ödem (Wassereinlagerung ins Bein)
  • Fortgeschrittener arterieller Verschlußkrankheit (Raucherbein/Schaufensterkrankheit)
  • Schwere Allgemeinkrankheiten Das Alter des Patienten ist kein limitieren der Faktor für die Verödung
Laser: Die neue Wunderwaffe?

Bei Venenerkrankungen ist die Behandlung mit Laser noch relativ neu und wird unterschiedlich beurteilt. So ist z.B. nicht jeder Laser für jede Art Sehandlung der Richtige. Es gibt auch noch keine Langzeit erfahrungen, was die Verträglichkeit und die Rückfallquote betrifft. Auf jeden Fall gehört diese neue Technik in die Hände eines erfahrenen Spezialisten. Neue, sogenannte gepulste Farbstofflaser, haben aber heute schon einen festen Platz bei der Behandlung z.B. von Besenreiservarizen.

Bei starker Varikosis: Operation

Vor jeder Operation muß durch eine gründliche Untersuchung genau abgeklärt werden, welche Störungen im Venensystem vorliegen. Größere operative Eingriffe wird der Arzt und Venenspezialist nur dann für notwendig erachten, wenn das Venenleiden sehr ausgeprägt ist oder ein Risiko für Spätfolgen und Komplikationen besteht.

Was versteht man unter "Venenstripping"?

Bei einer Stammvarikosis der großen (Vena saphena magna) oder kleinen (Vena saphena parva) Hauptkrampfader wird eine flexible Spezialsonde in die krankhaft erweiterte Vene eingeführt, bis zu deren Ende vorgeschoben und dort wieder ausgeleitet. Die Varize wird dann oben und unten durchtrennt, sowie auf der Sonde fixiert, die dann beim Herausziehen (Stripping) die varikös veränderte Vene unter der Haut mitnimmt. Wurden vor Jahren beim Strippen die Hauptkrampfadern prinzipiell in gesamter Länge entfernt, so können heute durch gezielte Diagnostik die noch funktionstüchtigen Anteile von Vena saphena magna und parva belassen werden (Teilsaphenektomie). Die Stripping-Operation ist in Vollnarkose, Teilnarkose oder auch in Lokalanaesthesie durchführbar, sie kann ambulant oder stationär erfolgen. Ausschlaggebend hierfür ist der Schweregrad des Befundes, der Zustand und die psychische Verfassung des Patienten. Noch am Abend der Operation kann und soll der Patient aufstehen und umhergehen. Nach dem Eingriff ist für 3-6 Wochen eine Kompression mit elastischen Binden oder Kompressionsstrumpf zu empfehlen sowie zur Vermeidung von Thrombosen und Embolien eine mehrtägige gerinnungs hemmende Behandlung mit Heparin. Der Kompressionsverband soll einerseits das Anschwellen des operierten Beines verhindern, andererseits aber auch einer evtl. postoperativen Venenthrombose vor beugen.

Welchen Stellenwert haben Venenmittel?

Bewährt in der Behandlung von Ödemen haben sich die Kompressionstherapie und die medikamentöse Therapie mit sogenannten Ödemprotektiva. Diese Arzneimittel (z.B. mit dem Wirkstoff Oxerutin [z.B. Venoruton~] oder Rosskastaniensamenextrakt (Venostasin®, Periva®) stärken die innere Auskleidung der Vene: die venösen Gefäße werden undurchlässiger für den Austritt von Flüssigkeit in das Gewebe. Flüssigkeitseinlagerungen, die für das Spannungs und Schweregefühl ver antwortlich sind, werden vermindert und die Versorgung des Gewebes verbessert. Venenmittel mit nachgewiesener Wirksamkeit haben große Bedeutung (abgelesen an der Verordnungshäufigkeit). Sie sind pflanzlicher Herkunft und bergen geringe Risiken hinsichtlich Neben und Wechselwirkungen; sie sind nicht ver schreibungspflichtig. Aufgrund ihrer guten Verträglichkeit können sie mit zahlreichen anderen Arzneimitteln gleichzeitig gegeben werden, auch über einen längeren Zeitraum. Gerade die Kombination von Kompression und Medikament hat – so zeigten zwei aktuelle Studien – einen doppelt so starken ödemverringernden Effekt wie jede Therapieform für sich alleine.

Venenmedikamente können Beinschwellungen bei Flugreisen verhindern

Interessant ist, daß in einer Flugstudie von Prof. Marshall gezeigt werden konnte, daß bei gesunden Probanten nach einer nur 10-tägigen Einnahme eines Venenmedikamentes (z.B. Venostasin® retard, Venoruton®) ein signifikanter Schutz vor einem Anschwellen der Beine während einer 14-stündigen Flugreise besteht. Thrombosen können diese Venenmedikamente freilich nicht verhindern.

Die Kompressionstherapie als Basistherapie

Die aber sicherlich älteste und effektivste Methode zur Behandlung venöser und lymphatischer Erkrankungen ist die Kompressionstherapie mit Kompressions verbänden, mit Kompressionsstrümpfen und –strumpfhosen oder mit der intermittierenden Kompression.

Der Kompressionsverband dient der komprimierenden Behandlung von offenen Geschwüren, Venenentzündungen und vor allem der Entstauung des geschwollenen Beines, z.B. vor dem Anpassen von Kompressionsstrümpfen. Die intermittierende Kompression mit pneumatischen Ein oder Mehrkammersystemen stellt eine wirkungsvolle und beim Patienten beliebte Therapie methode dar, die ebenfalls häufig vor dem Anpassen eines adäquaten Kompressionsstrumpfes zum Ausschwemmen von chronisch-venösen und lymphatischen Stauungsödemen verordnet wird. Eine intermittierende Kompression kann aber niemals andere Kompressionsmaßnahmen, wie z.B. das tragen von Kompressionsstrümpfen, ersetzen!

Der Kompressionsstrumpf: Mehr Komfort als früher

Der Kompressionsstrumpf wird überwiegend zur Langzeittherapie venöser Erkrankungen sowie zur Nachsorge bzw. Sicherung des durch den Kompressionsverband erreichten Ergebnisses verordnet. Durch den Kompressionsstrumpf oder die -strumpfhose, die heutzutage in vielen modischen Farben und Ausführungen (Abb. 9), angeboten werden, wird von außen auf das Körpergewebe ein Druck ausgeübt, wodurch die Venenklappen wieder funktionstüchtig werden und venöse Stauungen vermieden werden können. Die Wirkung der Kompressionsstrümpfe und -strumpfhosen ist abhängig von der Stärke des Andrucks. Deshalb werden Kompressionsstrümpfe und -strumpfhosen in vier verschiedenen Klassen angeboten: Da ein Kompressionsstrumpf einen hohen Ruhedruck und einen niederen Arbeitsdruck hat, kann mit ihm – im Gegensatz zu einem Kompressionsverband oder durch die intermittierende Kompression – kein Ödem ausgeschwemmt werden. Ein Strumpf verhindert lediglich das Wiederanschwellen des Beines. Dies ist auch der Grund, warum ein Kompressionsstrumpf oder eine -strumpfhose morgens noch im Bett bei entstauten Beinen, angezogen werden muß.

Hieraus ergibt sich ein wichtiger Merksatz für das Anpassen von Kompressionsstrümpfen:

Niemals eine Anpassung eines Kompressionsstrumpfes an einem geschwollenen Bein!!

Dies ist oftmals auch der Grund, warum Kompressionsstrümpfe nicht passen oder vom Patienten als unangenehm empfun den werden. Hieraus ergibt sich ein zweiter wichtiger Merksatz:

Der verordnende Arzt sollte den Sitz des Kompressionsstrumpfes überprüfen!!

Da das Anpassen eines Kompressionsstrumpfes sowie die Anleitung beim Anziehen und die Behandlung des Strumpfes eine wichtige Aufgabe ist, sollte die Anpassung und die Bestellung nur über den Fachhandel (Sanitätshaus) erfolgen.

Wann gibt es Probleme mit dem Kompressionsstrumpf?

Auch wenn die Kompressionsbehandlung als Basistherapie gilt, so kann ein Kompressionsstrumpf nicht immer und bei jedem Patienten eingesetzt werden. Bei Patienten mit arteriellen Durchblutungsstörungen, Herzinsuffizienz, koronarer Herzerkrankung und Bluthochdruck sowie bei nässenden Ekzemen und offenem ulcus cruris, ist die Kompressionsbehandlung nicht zu empfehlen. Auch Patienten mit eingeschränkter Beweglichkeit, Gelenks- und Wirbelsäulenprobleme und Übergewicht tun sich sehr schwer beim Anziehen der Kompressionsstrümpfe. In all diesen Fällen ist die Behandlung mit Ödem-Protektiva eine unersetzliche Alternative.

Wann werden welche Kompressionsklassen verwendet?
KompressionsklasseKrankheitszustand
1: Leichte Kompression
  • Schwere, müde Beine
  • Geringe Ausbildung von Krampfadern ohne wesentliche Schwellungsneigung
  • Beginnende Schwangersckaftsvarikosis
  • Thromboseprophylaxe
2: Mittlere Kompression
  • Stärkere Beschwerden
  • Ausgeprägte Krampfaderbildung mit Ödemneigung
  • nach Abheilung geringfügiger ulcerationen
  • nach oberflächlichen Thrombophlebitiden
  • nach Sklerosierung und Varizenoperation zur Festigung des Behandlungserfolges
  • Stärkere Schwangerschaftsvarikosis
3: Kräftige Kompression
  • Alle Folgezustände der schweren chronischen Insnffizienz
  • bei schwerer Ödemneigung
  • Atrophie blanche
  • sekundärer Varikosis
  • Stauungsinduration
  • nach Abheilung großer, evtl. schon wiederholt auftretender ulzera
4: sehr kräftige Kompression
  • Bei Lymphödemen und elephantiastischen Zuständen
Stadieneinteilung der chronischen Veneninsuffizienz

Stadium I:

Symptome:

  • Schwellungsneigung in den Beinen, Flüssigkeitsansammlungen (Ödeme)
  • Schwere und Spannungsgefühl

Stadium II: (zusätzlich gekennzeichnet durch Pigmentveränderungen der Haut, Hautveränderungen)

Stadium llla: (Zust. nach abgeheiltem offenen Bein, sog. ulcus cruris)

Stadium IIIb: (Schwere Hautschäden mit offenem Bein)

Krampfadern in der Schwangerschaft

Gerade in der Schwangerschaft treten Krampfadern oder allgemeine Probleme mit den Beinen relativ häufig auf. Zu den allgemein bestehenden Risikofaktoren für ein Krampfaderleiden kommen in der Schwangerschaft noch weitere Faktoren erschwerend hinzu:

  • durch die Hormonwirkung kommt es zu einer Gefäßweitstellung. Vor allem im Stehen kommt es zu einem Blutandrang in den Venen. Die Geschwindigkeit des venösen Rückflusses nimmt ab.
  • Bereits früh in der Schwangerschaft nimmt das Blutvolumen um fast 20 % zu.
  • Die Gebärmutter drückt auf eine Beckenvene. Im Verlauf der Schwangerschaft nimmt der Druck in den Beinvenen im liegen und im Stehen zu und beträgt oft ein Vielfaches des normalen Druckes außerhalb der Schwangerschaft.
  • Schon zu Beginn der zweiten Schwangerschaftshälfte wird im liegen und besonders im Stehen ein großer Druck auf die Bauchvene ausgeübt. Dies führt sowohl zu einer Abnahme des venösen Blutrückflusses, zum anderen aber auch zu einem Rückstau in die Beine.
Was kann die Schwangere tun?

Generell sollte die schwangere Frau Medikamente während der Schwangerschaft nicht zu Hilfe nehmen. Natürlich wird man während der Schwangerschaft auch keine planbaren Venenoperationen durchführen.

Die Schwangere sollte:

  • In der Schwangerschaft so wenig wie möglich still stehen (z.B. am Bügelbrett oder beim Kochen)
  • Nicht zu tief sitzen und harte Stuhlkanten vermeiden (Beine auch nicht übereinanderschlagen)
  • Viel Gehen, Wandern, Schwimmen, Radfahren
  • Am Arbeitsplatz oder beim langen Sitzen (z.B. Flugzeug, Theater, Fernsehen) Beine häufig aktiv bewegen und kurz aufstehen
  • Konsequent Kompressionsstrümpfe tragen. Zur Prophylaxe von Krampfaderentstehung und Thrombosen sollen ca. 4-6 Wochen nach der Schwangerschaft Kompressionsstrümpfe getragen werden, da zu dieser Zeit eine Unterstützung des venösen Rückflusses besonders wichtig ist.
  • Bei heißem Wetter Beine kühlen (lauwarm oder kalte Übergüsse vom Fuß aufwärts)
  • Nachts oder bei Ruhepausen am Tag Beine hochlagern

Vermieden werden sollten:

  • Warme Bäder und langes Sonnenbaden
 
 
 
 
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