Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK)
Die Schaufensterkrankeit
PAVK: Was ist das?
Ohne Sauerstoff kein Leben. Jede Zelle unseres Körpers ist auf diesen Energiespender angewiesen.

Gute Durchblutung = Gute Sauerstoffversorgung
Sauerstoff gelangt mit dem Blut zu den Geweben und Organen. Eine gute Durchblutung ist daher Voraussetzung für eine gute Versorgung mit Sauerstoff. Die Blutgefäße, die den Transport des sauerstoffreichen Blutes zu den Organen übernehmen, sind die Arterien auch "Schlagadern" genannt. Bei der peripheren arteriellen Verschlußkrankheit (PAVK) ist die Blutversorgung der Beine oder der Arme gestört. Ursache ist eine zunehmende Verengung der "peripheren" Arterien, wie die Bein- und Armarterien auch bezeichnet werden.
Stadium I der PAVK: Verengungen der Arterien, aber noch keine Beschwerden
Die PAVK entwickelt sich allmählich, kann lange Zeit unbemerkt bleiben und ruft vielfach erst im höheren Lebensalter Beschwerden hervor. Allerdings ist das Tempo, mit dem sich die Erkrankung entwickelt, individuell sehr unterschiedlich. Sind die Beine betroffen – wie in 90 % der Fälle – wird der Patient oft dadurch auf die PAVK aufmerksam, daß er beim Gehen nach einer gewissen Strecke Schmerzen verspürt – häufig in der Wade, etwas seltener im Oberschenkel, Gesäß oder dem Fuß. Mit den Schmerzen signalisiert die Muskulatur, daß sie unter Sauerstoffmangel leidet. Beim Gehen wird sie nämlich stärker beansprucht, braucht mehr Sauerstoff und muß entsprechend besser durchblutet werden. Dies aber geht nicht: durch die verengten Arterien kann nicht so viel Blut fließen, wie benötigt wird.
Stadium II: die Claudicatio intermittens
Die Schmerzen zwingen zu regelmäßigen Pausen, was diesem Krankheitsstadium den Namen "Claudicatio intermittens" ("unterbrochenes oder intermittierendes Hinken") gegeben hat. Nicht selten wird die Erholungspause durch den unauffälligen Halt vor einem Schaufenster getarnt. Man spricht daher auch von "Schaufensterkrankheit". Der Volksmund verwendet manchmal für die Krankheit auch den Begriff "Raucherbein".
Bei Fortschreiten der PAVK kommt es zu Ruheschmerzen: Stadium III
Gelingt es nicht, die PAVK zu stoppen, wird die Durchblutung immer weiter behindert. Die Schmerzen stellen sich dann auch in Ruhe ein, besonders nachts, wenn die Beine horizontal liegen.

Stadium IV: offene Beine, Verlust von Gewebe
Weitere Folgen der schlechten Durchblutung: auch kleinste Verletzungen heilen nur noch schlecht, Infektionen können auftreten, Gewebe kann zugrunde gehen. Kann ein ausreichender Blutfluß nicht wieder hergestellt werden, ist im schlimmsten Fall sogar eine Amputation notwendig. Leider ist das noch nicht alles. PAVK-Patienten haben zusätzlich ein stark erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, deshalb ist die Lebenserwartung dieser Kranken auch deutlich reduziert. Jeder Risikofaktor bringt für sich schon ein höheres Risiko, an der Arteriosklerose bzw. PAVK zu erkranken.
Besonders heikel ist eine Kombination von Risikofaktoren: Hier steigt das Risiko nochmals stark an. Bestimmte Faktoren sind nicht zu beeinflussen, wie Alter, Veranlagung oder Geschlecht (Männer sind häufiger betroffen). Andere glücklicherweise sehr wohl. Hier sind sie:
Rauchen
Wenn es stimmt, daß jeder so alt ist wie seine Gefäße, dann altern Raucher erheblich schneller: Im Vergleich zu Nichtrauchern tritt die PAVK bei Rauchern bis zu 10 Jahre früher auf.
Es gibt also nichts daran zu deuteln: Nikotin ist Gift für die Gefäße, jede Zigarette ein Anschlag auf die Arterien. Darüber muß sich jeder Raucher im klaren sein. Wer auf seine Arterien achtet, läßt besser die Finger vom Tabak. Und das lohnt sich: Nach dem Rauchstop sinkt das Risiko im Laufe der Zeit wieder auf das Niveau eines Nichtrauchers.
Was Sie tun können
- Fassen Sie den festen Entschluß: "Ich höre mit dem Rauchen auf!"
- Setzen Sie diesen Entschluß auch um. Sie wissen ja: "Es genügt nicht zu wollen, man muß auch tun!" (J.W. Goethe)
- Wenn Sie es alleine nicht schaffen: lassen Sie sich helfen. Beraten Sie sich mit Ihrem Arzt. Entwickeln Sie gemeinsam eine Strategie.
- Nikotinpflaster und -kaugummis (Nicotinell’®) können über die anfänglichen Entzugssymptome hinweghelfen.
Diabetes
Hohe Blutzucker- und Insulinspiegel fördern die Arteriosklerose. Diabetiker haben ein 3 bis 5mal größeres Risiko, an einer PAVK zu erkranken. Eine korrekte Einstellung des Blutzuckers ist für den Diabetiker auch aus diesem Grund äußerst wichtig. Wenn eine familiäre Veranlagung vorliegt, sollten regelmäßige Zuckerkontrollen durchgeführt werden. Je früher ein Diabetes erkannt wird, desto eher können Gefäßkomplikationen verhindert werden.
Was Sie tun können
- Achten Sie auf eine korrekte Einstellung des Blutzuckers.
- Bauen Sie Übergewicht ab. Dies kann wesentlich zu einer Besserung des Zuckerstoffwechsels beitragen.
Bluthochdruck
Ein ständig erhöhter Blutdruck bedeutet für die Arterien eine mechanische Belastung, der sie einfach nicht gewachsen sind. Der Bluthochdruck gilt heute als einer der größten Risikofaktoren für Arteriosklerose. Durch Normalisierung eines hohen Blutdrucks wird daher auch eine erhebliche Risikominderung erreicht.
Was Sie tun können
- Den Blutdruck gut im Auge behalten, regelmäßig messen!
- Weniger Salz, lieber andere Gewürze verwenden.
- Übergewicht abbauen.
- Übermäßigen Alkoholkonsum einschränken.
- Für Ruhe und Entspannung sorgen.
- Und die vom Arzt verordneten Medikamente auch einnehmen. Wenn Sie ein blutdrucksenkendes Medikament einmal nicht so gut vertragen, sollten Sie unbedingt mit Ihrem Arzt darüber sprechen. Es gibt fast immer eine Alternative. Auf keinen Fall ein Medikament nicht mehr einnehmen, ohne den Arzt darüber zu informieren.
Erhöhtes Cholesterin
Cholesterin ist ein natürlicher und wichtiger Bestandteil unseres Körpers. Aber zuviel davon ist schädlich. Meist kommt dieses "zuviel" von einer ungünstigen Ernährung bei einer gewissen Veranlagung.
Was Sie tun können
- Erhöhte Cholesterinwerte lassen sich oft schon durch eine entsprechende Ernährungsumstellung in den Griff bekommen.
- Sollte dies nicht reichen, stehen Ihrem Arzt zusätzlich wirksame Medikamente zur Verfügung.
Falsche Ernährung
Eine falsche Ernährung fördert die Entstehung der Arteriosklerose. Butter, Schmalz, Eier oder fettes Fleisch enthalten viel Cholesterin. Auch essen viele Menschen zu wenig frisches Gemüse oder Obst.
Was Sie tun können
- Bevorzugen Sie pflanzliche Fette und Öle, z. B. Olivenöl
- Essen Sie regelmäßig Seefisch.
- Viel frisches Gemüse und Obst!
Bewegungsmangel
Körperliche Aktivität wirkt einer Arteriosklerose entgegen. Regelmäßigkeit ist dabei wichtiger als Intensität. So ist es besser, dreimal in der Woche 20 Minuten zu laufen als einmal eine Stunde.
Die Risikofaktoren
Alles, was die Entwicklung einer Arteriosklerose fördert, fördert also auch die Entstehung einer PAVK. Wir nennen solche schädlichen Einflüsse "Risikofaktoren". Bei der PAVK ist das Bewegungstraining sogar ein unverzichtbarer Bestandteil der Behandlung (wir gehen später noch darauf ein).
Was Sie tun können
- Soweit es Ihre Erkrankung zuläßt, sollten Sie auf regelmäßige Bewegung achten. Hier sind keine sportlichen Leistungen gemeint. Aber bleiben Sie aktiv! Nutzen Sie die Treppen anstelle vom Aufzug, arbeiten Sie im Garten. Und auch beim täglichen Spaziergang ist jeder Schritt ein Schritt in die richtige Richtung.
- Besonders günstig ist Ausdauerbewegung wie zügiges Gehen, Radfahren oder Tanzen. Es gibt auf die PAVK abgestimmte Bewegungsprogramme. Ihr Arzt kennt sie.
Übermäßiger Alkoholkonsum
Mäßiger Alkoholkonsum hat möglicherweise einen Schutzeffekt, besonders wohl ein Glas Rotwein am Tag. Zuviel jedoch bewirkt genau das Gegenteil. Und die Grenze ist schnell überschritten: Schon ein Viertelliter Rotwein enthält ca. 25g Alkohol, was bei täglichem Konsum für Männer noch vertretbar, für Frauen aber schon zuviel ist.
Was Sie tun können
- Schränken Sie Ihren Alkoholkonsum ein.
Stress
Im Streß setzen wir unseren Körper richtig unter Dampf. Von der Natur war allerdings vorgesehen, daß wir den Dampf auch wieder ablassen – durch körperliche Bewegung. Heute nutzen wir dieses Ventil aber zu wenig. Die Entstehung einer Arteriosklerose kann dadurch begünstigt werden.
Was Sie tun können
- Lassen Sie sich nicht aus der Ruhe bringen! Sorgen Sie für Ihre Entspannung!
- Lernen Sie, Streß zu vermeiden und besser damit umzugehen.
Ist Übergewicht ein Risikofaktor?
Für sich genommen wohl weniger. Allerdings ist Übergewicht nicht selten mit Bluthochdruck, erhöhten Cholesterinwerten oder Diabetes vergesellschaftet. Auf sein Gewicht zu achten, lohnt auf jeden Fall.
Was Sie tun können
- Sie sollten Ihr Körpergewicht reduzieren, wenn es mehr als 20 % über dem Idealgewicht liegt. Das Ziel: Normalgewicht erreichen! (Normalgewicht = Körpergröße minus 100. Idealgewicht = Normalgewicht minus 10%. Beispiel: Bei 180cm Körpergröße beträgt das Normalgewicht 80kg, das Idealgewicht 72kg.)
Zusätzliche Gefahr: Herzinfarkt und Schlaganfall
Wie sich die Arteriosklerose bemerkbar macht, hängt davon ab, welche Gefäße besonders betroffen sind. Auch hier gibt es individuelle Unterschiede. Beim einen sind es eher die Herzkranzarterien – bei ihm wird sich zunächst das Herz melden. Beim anderen sind es die Gefäße, die das Gehirn oder eben die Muskeln der Beine und Arme versorgen. Man muß allerdings davon ausgehen, daß jeweils auch die anderen Arterien mehr oder minder erkrankt sind. Tatsächlich sind bei der PAVK im fortgeschrittenen Stadium zu 90 % auch die Herzkranzarterien und zu 70 % auch die Halsschlagadern betroffen. Das bedeutet: bei der PAVK besteht ein stark erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Dies unterstreicht noch einmal, wie wichtig es ist, die Risikofaktoren in den Griff zu bekommen. Denn es gilt nicht nur, eine Verschlechterung der PAVK zu verhindern, sondern auch das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu senken. Bei Schlaganfall und Herzinfarkt ist jede Minute kostbar. Bei Verdacht: nicht zögern, Notarzt rufen! Herzinfarkt und Schlaganfall können tödlich sein. Es bestehen aber heute gute Chancen, diese Erkrankungen zu überleben und die Folgen zu verringern. Entscheidend ist, sofort ärztliche Hilfe zu rufen, denn die Akutbehandlung ist um so wirksamer, je schneller sie einsetzt. Jede Minute zählt! Wenn Sie den leisesten Verdacht haben, daß es sich um einen Herzinfarkt oder Schlaganfall handeln könnte, rufen Sie sofort den Notarzt oder die Rettung (144) an! Auch Angehörige sollten auf den Notfall vorbereitet sein. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt! Daher sollte jeder PAVK - Patient und seine Angehörigen mit den Symptomen des Herzinfarkts und Schlaganfalls vertraut sein. Und damit, was im Notfall zu tun ist. Angehörige sollten einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen.
Was man bei der PAVK tun kann
Der Verlauf einer PAVK ist individuell sehr unterschiedlich. Viel hängt davon ab, ob es gelingt, die Arteriosklerose zu stoppen. Denn je stärker sich die Arterien verengen, um so schlechter die Durchblutung. Beschwerden und Schmerzen nehmen dann immer mehr zu. Es ist daher entscheidend, wie konsequent Sie gegen Ihre Risikofaktoren vorgehen. Das heil3t: Sie selbst bestimmen maßgeblich, wie sich die Krankheit weiterentwickelt. Dies gilt auch für den Erfolg des Bewegungstrainings, mit dem Sie Ihren Aktionsradius wesentlich erweitern können. Zusätzlich stehen dem Arzt verschiedene Medikamente bzw. Verfahren zur Verfügung, die er je nach Erfordernis einsetzen kann. Die Wichtigsten werden im folgenden kurz beschrieben.
Kampf den Risikofaktoren!
Konsequente Bekämpfung der Risikofaktoren mindert auch die Gefahr eines Herzinfarkts und Schlaganfalls.
Der Schlüssel zum dauerhaften Erfolg gegen die PAVK liegt in der konsequenten Bekämpfung der Risikofaktoren. Hier können Sie selbst am meisten für Ihre Gesundheit tun. Und für jeden hier erzielten Erfolg werden Sie gleich mehrfach belohnt: es wird nicht nur die PAVK positiv beeinflusst, sondern auch das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall gesenkt. Was Sie gegen die jeweiligen Risikofaktoren unternehmen können, haben wir weiter oben schon besprochen.
Bewegungstraining: Schritte in die richtige Richtung!
Im frühen Stadium bilden Gehtraining und spezielle Gymnastik die Grundlage der Behandlung. Zielsetzung ist, die Beschwerden zu verringern und die Gehstrecke zu verlängern. Wichtig: das Programm sollte mit Ihrem Arzt abgestimmt sein, denn bei Ruheschmerzen oder wenn schon Gewebe untergegangen ist, kommt das Bewegungstraining in der Regel nicht mehr in Frage.
Durch das Training bilden sich neue Blutgefäße. Gerade die Bewegung zu üben, die doch Schmerzen hervorruft, erscheint widersprüchlich. Aber das regelmäßige Training ist erwiesenermaßen sehr wirksam. Es führt unter anderem zur Bildung neuer Blutgefäße, die einen verstopften Gefäßabschnitt umgehen und die Muskulatur wieder mit Sauerstoff versorgen können. Die Schmerzen nehmen ab, die mögliche Gehstrecke wird oft erheblich verlängert.
Grundsätzlich gilt: Gehstrecke, Gehgeschwindigkeit und Gehdauer müssen der individuellen Leistungsfähigkeit angepasst werden, das Gehtraining darf nicht zu starken Schmerzen führen. Deshalb ist ein Intervalltraining sinnvoll. Das heißt: man hält an, kurz bevor Schmerzen auftreten, ruht sich ein wenig aus, nimmt dann das nächste Stück in Angriff, macht wieder Pause und so weiter. Ein solches Training sollte täglich während eines 1-2stündigen Spazierganges durchgeführt werden. Sie werden sehen, mit der Zeit wird es Ihnen immer leichter fallen.
Einmal ist keinmal.
Regelmäßig üben! Gut geeignet sind auch Radfahren, Treppensteigen oder die Zehenstandsübungen. Hier stellen Sie sich immer wieder auf Ihre Zehenspitzen, ebenfalls bis die ersten Schmerzen auftreten, machen eine Pause und beginnen von vorne. Für das gesamte Bewegungstraining gilt: Regelmäßigkeit ist wichtiger als Intensität.
Macht Spaß: das Training in der Gruppe.
Sie können sich auch einer Gefäßsportgruppe anschließen. Gehtraining und gymnastisches Übungsprogramm werden dort unter fachlicher Anleitung absolviert. Wo es in Ihrer Nähe eine solche Gruppe gibt, erfahren Sie von den Organisationen, die wir Ihnen am Schluß dieses Artikels nennen.
Medikamente
Zur Therapie der PAVK steht dem Arzt auch eine Reihe von Medikamenten zur Verfügung.
Thrombozytenfunktionshemmer
Thrombozytenfunktionshemmer mindern die Gefahr eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls.
"Thrombozytenfunktionshemmer" haben in der Behandlung der PAVK eine große Bedeutung. Sie werden vor allem eingesetzt, um das Risiko ernster Komplikationen wie z. B. Herzinfarkt oder Schlaganfall zu vermindern. Erinnern Sie sich an das Blutgerinnsel, das sich in einer arteriosklerotisch veränderten Arterie bilden kann? Genau hier setzen diese Substanzen an.
An der Entstehung eines Blutgerinnsels (Thrombus) sind die Blutplättchen (Thrombozyten) maßgeblich beteiligt. Sie sind spezialisierte Blutzellen, die eine Verletzung des Gefäßes erkennen und sofort versuchen, die betroffene Stelle abzudichten. Und das ist auch gut so, da sonst selbst kleinere Wunden gefährlich werden könnten. Bei der Arteriosklerose liegt der Fall ein wenig anders: hier bildet sich das Gerinnsel ja unerwünschterweise in der Arterie und verschließt sie im schlimmsten Fall. Deshalb sprechen wir heute auch von der Atherothrombose. Und das gilt es natürlich zu verhindern. Diese Medikamente wirken nun auf die Blutplättchen und beeinflussen sie so, daß die Gefahr der Gerinnselbildung deutlich vermindert wird. Und damit das Risiko für einen akuten Gefäßverschluß, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Die normale Blutstillung, die wir ja weiter brauchen, bleibt weitgehend erhalten. Eine Substanz aus dieser Gruppe ist Ihnen wahrscheinlich bekannt: die Azetylsalizylsäure (ASS). Eine neuere Entwicklung ist das Clopidogrel. Wie schon gesagt, kann die weitere Entwicklung einer Arteriosklerose zwar verlangsamt werden. Die vorhandenen Schäden bilden sich aber wohl nicht mehr zurück. So bleibt immer ein gewisses Risiko bestehen. Die Behandlung muß daher auf Dauer fortgeführt werden.
Gerinnungshemmer
Bestimmte Formen der Blutgerinnsel lassen sich besser mit Substanzen verhindern, die nicht auf die Blutplättchen wirken, sondern die Gerinnungsfähigkeit des Blutes auf andere Weise herabsetzen. Man nennt sie "Gerinnungshemmer" oder "Antikoagulantien". Sie können beispielsweise nach Gefäßoperationen zum Einsatz kommen oder dann, wenn die Gefahr einer Gerinnselbildung im Herzen besteht – wie bei bestimmten Herzrhythmusstörungen oder nach einem Herzinfarkt.
Durchblutungsfördernde Substanzen
Es gibt einige Medikamente, die zu einer Verbesserung der Durchblutung führen können. Dazu gehören beispielsweise die Medikamente Pentoxyfillin (Trental®) und Naftidrofuryl (Dusodril®).
In den fortgeschrittenen Stadien der Verschlußkrankheit, haben sich Prostaglandine wie Alprostadil (Prostavasin®) und lloprost (llomedin®) sehr gut bewährt. Darüberhinaus kommen Prostaglandine bei Verschlußkrankheiten, die durch eine Gefäßentzündung mit nachfolgender Gerinnselbildung und mit daraus folgenden Gefäßverschlüssen verursacht sind – wir sprechen in solchen Fällen bei meist jungen Patienten, von der Thrombangiitis obliterans bzw. vom Buerger-Syndrom – zum Einsatz. Sie verbessern vor allem die Fließeigenschaften des Blutes und wirken auch gefäßerweiternd. Ihr Arzt wird sie je nach Bedarf einsetzen. Zur Linderung von Schmerzen oder zur Bekämpfung von Infektionen stehen ebenfalls wirksame Arzneimittel zur Verfügung.
Operative Verfahren

Es besteht prinzipiell auch die Möglichkeit, eine verengte Arterie wieder zu erweitern oder eine "Umleitung" um die Engstelle zu legen. Operative Verfahren kommen in der Regel nur bei fortgeschrittener PAVK in Betracht, wenn die Erhaltung der betroffenen Gliedmaße gefährdet ist. Welches Verfahren angewendet wird, hängt von vielen Faktoren ab – unter anderem vom Ausmaß der Erkrankung und vom Sitz der Gefäßverengungen.
Die Ballondilatation ist eine der Standardmethoden. In der Fachsprache wird sie auch Perkutane Transluminale Angioplastie (PTA) genannt. Bei der PTA wird zunächst ein Katheter durch die Engstelle geschoben. Dann wird ein Ballon aufgepumpt, der die arteriosklerotischen Polster zurückdrängt. Damit wird der Engpaß beseitigt. Zusätzlich kann eine Gefäßstütze ("Stent") eingesetzt werden, um einen Wiederverschluß zu verhindern. In manchen Fällen kann eine Bypassoperation vorteilhafter sein. Die Engstelle wird dabei durch eine Umleitung umgangen. Auch der langfristige Erfolg einer Ballondilatation oder Bypassoperation hängt wesentlich davon ab, wie konsequent Sie gegen Ihre Risikofaktoren vorgehen. Wie lange nämlich ein Gefäß offen bleibt, wird weitgehend vom Fortschreiten der Arteriosklerose bestimmt.
Pflege der Beine und Füße
Die eingeschränkte Durchblutung bedeutet auch, daß selbst kleinste Verletzungen schlechter heilen und hartnäckige infektionen entstehen können. Um solchen Komplikationen vorzubeugen, sollten Sie folgende Anregungen beherzigen:
- Achten Sie auf kleinste Verletzungen, Blasen oder Rötungen an Ihren Beinen und Füßen.
- Waschen Sie sich nicht mit zu heißem Wasser.
- Verwenden Sie beim Waschen eine milde Seife – sie greift Ihre Haut nicht so stark an. Bei trockener Haut hilft eine Fettcreme.
- Trocknen Sie sich sorgfältig ab – insbesondere Ihre Zehenzwischenräume. So wird einer Pilzinfektion vorgebeugt.
- Zehennägel nicht zu kurz schneiden. Besser ist die Nagelpflege durch den Spezialisten.
- Füße immer warm und trocken haIten.
- Vermeiden Sie direkte Hitzeeinwirkung: keine heißen Fußbäder oder Schlammpackungen, keine Wärmflaschen oder Heizkissen!
- Gehen Sie nicht barfuß, sie könnten sich verletzen.
- Extreme Temperaturen – also Kälte und Hitze – schaden Ihnen. Daran sollten Sie auch bei Ihrer Urlaubsplanung denken.
- Tragen Sie keine engen Schuhe. Bei neuen Schuhen sollten Sie mit dem Einlaufen sehr vorsichtig sein.
- Keine Strümpfe aus synthetischem Material. Baumwolle oder Wolle sind ideal. Behindern Sie die Durchblutung nicht noch zusätzlich.
- Vermeiden Sie zu enge Kleidung oder einschnürende Strümpfe. Auch den Gürtel nicht zu eng schnallen.
- Die Beine beim Sitzen nicht übereinander schlagen, um die Blutgefäße nicht abzudrücken.
Diabetiker: besondere Vorsicht und tägliche Kontrolle auf Verletzungen!
Als Diabetiker müssen Sie besonders vorsichtig sein: Die Zuckerkrankheit kann dazu führen, daß die Schmerzempfindlichkeit abnimmt. Dadurch können Verletzungen (auch: Verbrennungen, Verbrühungen oder Erfrierungen) leichter entstehen und werden häufig zu spät entdeckt. Eine tägliche Kontrolle ist deshalb besonders wichtig. Gehen Sie bitte sofort zum Arzt, wenn Sie Verletzungen bemerken, Ihr Befinden sich verschlechtert oder neue Symptome auftreten. Versuchen Sie nicht, Ihre Beschwerden selbst zu kurieren. Nur Ihr Arzt kann den Sachverhalt richtig einschätzen und weiß, was zu tun ist.
Was können Sie sonst noch tun?
Arbeiten Sie eng und vertrauensvoll mit Ihrem Arzt zusammen. Ändern Sie nicht Ihre Medikamente, ohne Rücksprache mit ihm zu halten. Und scheuen Sie sich nicht, noch einmal nachzufragen, wenn Sie etwas nicht verstanden haben. Gehen Sie regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen. Sie sind wichtig, um frühzeitig Veränderungen zu erkennen.
Akuter Gefäßverschluß
Ähnlich wie beim Herzinfarkt oder Schlaganfall kann es durch eine Atherothrombose auch zu einem plötzlichen Verschluß einer Bein- oder Armarterie kommen. Auch hier kommt es darauf an, das verschlossene Gefäß schnellstmöglich wiederzueröffnen.
Kennzeichen sind:

- Plötzlich einsetzende peitschenartige Schmerzen.
- Ausgeprägte Blässe des betroffenen Beins oder Arms.
- Gefühlsstörungen.
- Pulsverlust.
- Häufig Bewegungsunfähigkeit.
- Eventuell Schock.
Was ist zu tun?
Jede Minute ist kostbar. Nicht zögern, Notarzt rufen!
Sofort den Notarzt rufen! Das verschlossene Gefäß muß schnellstmöglich wiedereröffnet werden. Dem Betroffenen sollte man bis zum Eintreffen des Notarztes Erste Hilfe leisten:
- Bein tief lagern.
- Einen lockeren Watteverband anlegen.
- Aufschreiben und dem Notarzt übergeben:
- Liste der Medikamente, die der Betroffene einnimmt.
- Die Medikamente selbst auch mitgeben.
Auf keinen Fall Wärmflaschen benützen oder Medikamente zur Durchblutungsförderung geben.
Selbsthilfegruppen
Gemeinsam geht vieles leichter. Andere haben oft die gleichen Probleme gehabt und schon längst gelöst. Sie werden ihre Erfahrungen sicher gern an Sie weitergeben.
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