Schlaganfall: Was ist das?
Unser Gehirn ist ein Meisterwerk der Natur: es ist Sitz unseres Bewußtseins, es ermöglicht uns zu sprechen, uns zu bewegen, es steuert wichtigste Körperfunktionen. Egal, ob wir wach sind oder schlafen und träumen – seine Milliarden Nervenzellen sind immer in Betrieb, zu jeder Zeit, rund um die Uhr.
Diese Leistung hat einen Preis: Nervenzellen brauchen viel Energie. Sie müssen immer gut mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt sein, einen Mangel vertragen sie nur sehr kurze Zeit.
Beim Schlaganfall kommt es zu einer plötzlichen Durchblutungsstörung des Gehirns
Aber dazu kommt es normalerweise nicht, denn unser Gehirn wird sehr gut durchblutet. Sauerstoff und Nährstoffe stehen daher immer ausreichend zur Verfügung. Es sei denn, es kommt zu einer Unterbrechung der Blutzufuhr. Und genau dies geschieht beim Schlaganfall.
Dabei gibt es zwei Möglichkeiten:
Die zwei Hauptformen des Schlaganfalls: Gefäßverschluß und Blutung

- Einmal kann ein zum Gehirn führendes Blutgefäß plötzlich verstopfen. Dies ist bei weitem der häufigste Fall.
- Zum anderen kann ein Blutgefäß auch einreißen oder platzen - es kommt zu einer Blutung in das Hirngewebe.
Nervenzellen reagieren sehr empfindlich auf Sauerstoffmangel
Die Folgen sind gleich: die Nervenzellen werden nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt und gehen zugrunde, wenn die Durchblutungsstörung länger anhält.
Die Auswirkungen hängen einmal davon ab, wie viele Nervenzellen betroffen sind. Wurde ein großes Blutgefäß verschlossen, werden die Folgen schwerer sein als beim Verschluß eines kleinen Gefäßes.
Zum anderen sind die Nervenzellen auf bestimmte Aufgaben spezialisiert. Ausfälle machen sich entsprechend bemerkbar: Lähmungen, Taubheitsgefühl, Sprechstörungen, Sehstörungen.
Glücklicherweise können Nervenzellen auch "umdenken" und andere Aufgaben übernehmen. Dies ist der Grund, warum nach einem Schlaganfall verloren geglaubte Funktionen wieder erlernt werden können. Allerdings braucht dieser Vorgang viel Zeit und beharrliches Üben.

Für das Verstopfen eines Blutgefäßes ist ein Blutgerinnsel verantwortlich.
Für das Verstopfen eines Blutgefäßes ist ein Blutgerinnsel verantwortlich. Es bildet sich entweder im Blutgefäß selbst oder es entsteht an anderer Stelle und wird mit dem Blutstrom bis zu einem Blutgefäß verschleppt, durch das es nicht mehr hindurch passt und das es dann verschließt. In der medizinischen Fachsprache wird dies als "Embolie" bezeichnet.
Hauptursache für eine Blutung ist das Einreißen eines brüchig gewordenen Blutgefäßes. In selteneren Fällen kann eine Gefäßfehlbildung vorliegen.
Aber warum entstehen überhaupt die Blutgerinnsel? Und wie kann ein Blutgefäß plötzlich einreißen? Die Ursache liegt meist in einer Arteriosklerose.

Die Risikofaktoren
Alles, was die Entwicklung einer Arteriosklerose fördert, fördert also auch die Entstehung eines Schlaganfalls. Wir nennen solche schädlichen Einflüsse "Risikofaktoren".
Darüber hinaus gibt es auch Umstände, die unabhängig von einer Arteriosklerose ein erhöhtes Risiko für den Schlaganfall bedeuten. Dies sind bestimmte Herzerkrankungen oder die Empfängnisverhütung mit der "Pille".Jeder Risikofaktor bringt für sich schon ein höheres Risiko für den Schlaganfall. Kommen mehrere zusammen, steigt das Risiko nochmals stark an.
Bestimmte Faktoren sind nicht zu beeinflussen, wie Alter, Geschlecht (Männer sind häufiger betroffen) oder Veranlagung. Andere glücklicherweise sehr wohl. Hier sind sie:
Risikofaktor Nr. 1 für den Schlaganfall: Der Bluthochdruck.
Ein ständig erhöhter Blutdruck bedeutet für die Arterien eine mechanische Belastung, der sie einfach nicht gewachsen sind. Der Bluthochdruck gilt heute als der wohl größte Risikofaktor für Arteriosklerose und Schlaganfall. Durch Normalisierung eines hohen Blutdrucks wird daher auch eine erhebliche Risikominderung erreicht.
Was Sie tun können
- Den Blutdruck gut im Auge behalten.
- Übergewicht abbauen.
- Weniger Salz, lieber andere Gewürze verwenden.
- Übermäßigen Alkoholkonsum einschränken.
- Für Ruhe und Entspannung sorgen.
- Und die vom Arzt verordneten Medikamente auch einnehmen.
Wenn Sie ein Medikament einmal nicht so gut vertragen, sollten Sie unbedingt mit Ihrem Arzt darüber sprechen. Es gibt fast immer eine Alternative. Auf keinen Fall ein Medikament nicht mehr einnehmen, ohne den Arzt darüber zu informieren.
Rauchen
Es gibt nichts daran zu deuteln: Nikotin ist Gift für die Gefäße, jede Zigarette ein Anschlag auf die Arterien. Darüber muß sich jeder Raucher im klaren sein. Wer auf seine Arterien achtet, läßt besser die Finger vom Tabak. Es lohnt sich wirklich: Nach dem Rauchstop sinkt das Risiko im Laufe der Zeit wieder auf das Niveau eines Nichtrauchers.
Was Sie tun können
- Das Rauchen aufgeben. Dies ist sicher nicht einfach. Wenn Sie es alleine nicht schaffen: lassen Sie sich helfen. Beraten Sie sich mit Ihrem Arzt. Entwickeln Sie gemeinsam eine Strategie.
- Nikotinpflaster und -kaugummis können über die anfänglichen Entzugssymptome hinweghelfen.
Erhöhtes Cholesterin
Cholesterin ist ein natürlicher und wichtiger Bestandteil unseres Körpers. Aber zuviel davon ist schädlich. Meist kommt dieses "zuviel" von einer ungünstigen Ernährung bei einer gewissen Veranlagung.
Was Sie tun können
- Erhöhte Cholesterinwerte lassen sich oft schon durch eine entsprechende Ernährungsumstellung in den Griff bekommen.
- Sollte dies nicht reichen, stehen Ihrem Arzt zusätzlich wirksame Medikamente zur Verfügung.
Falsche Ernährung
Eine falsche Ernährung fördert die Entstehung der Arteriosklerose. Butter, Schmalz, Eier oder fettes Fleisch enthalten viel Cholesterin. Auch essen viele Menschen zu wenig frisches Gemüse oder Obst.
Was Sie tun können
- Bevorzugen Sie pflanzliche Fette und Öle anstelle tierischer Fette.
- Essen Sie regelmäßig Seefisch.
- Viel frisches Gemüse und Obst!
Diabetes mellitus
Auch die Zuckerkrankheit begünstigt den Schlaganfall.
Was Sie tun können
- Achten Sie auf eine korrekte Einstellung des Blutzuckers.
- Folgen Sie dem Rat Ihres Arztes.
Übermäßiger Alkoholkonsum
Mäßiger Alkoholkonsum hat möglicherweise einen Schutzeffekt, besonders wohl ein Glas Rotwein am Tag. Zuviel jedoch bewirkt genau das Gegenteil. Und die Grenze ist schnell überschritten: ein Viertelliter Rotwein enthält ca. 25g Alkohol, was bei täglichem Konsum für Männer noch vertretbar, für Frauen aber schon zuviel ist.
Was Sie tun können
- Alkoholkonsum einschränken.
Stress
Im Stress setzen wir unseren Körper richtig unter Dampf. Von der Natur war allerdings vorgesehen, daß wir den Dampf auch wieder ablassen – durch körperliche Bewegung. Heute nutzen wir dieses Ventil aber zu wenig. Die Entstehung einer Arteriosklerose kann dadurch begünstigt werden.
Was Sie tun können
- Lassen Sie sich nicht aus der Ruhe bringen! Sorgen Sie für Ihre Entspannung!
Bewegungsmangel
Regelmäßige körperliche Aktivität kann das Risiko für einen Schlaganfall senken.
Was Sie tun können
- Soweit es Ihre Erkrankung zuläßt, sollten Sie auf regelmäßige Bewegung achten. Hier sind keine sportlichen Leistungen gemeint. Aber bleiben Sie aktiv! Schon beim täglichen Spaziergang ist jeder Schritt ein Schritt in die richtige Richtung.
- Es gibt auf Ihre Erkrankung abgestimmte Bewegungsprogramme. Ihr Arzt wird sie kennen.
Ist Übergewicht ein Risikofaktor?
Für sich genommen wohl weniger. Allerdings ist Übergewicht nicht selten mit Bluthochdruck, erhöhten Cholesterinwerten oder Diabetes vergesellschaftet. Auf sein Gewicht zu achten, lohnt auf jeden Fall.
Was Sie tun können
- Sie sollten Ihr Körpergewicht reduzieren, wenn es mehr als 20 % über dem Idealgewicht liegt.
Herzerkrankungen
Von bestimmten Herzerkrankungen wie z. B. einem Herzinfarkt oder Herzrhythmusstörungen kann ebenfalls ein erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall ausgehen. Ist das Herz durch einen Infarkt geschädigt oder ist es aus dem Takt geraten, können sich im Herzen Blutgerinnsel bilden. Wenn sie mit dem Blutstrom zum Gehirn verschleppt werden und dort ein Blutgefäß verschließen, kommt es zum Schlaganfall. Man nennt diesen Vorgang auch "Embolie".
Wir gehen zu einem späteren Zeitpunkt noch darauf ein, was man in solchen Fällen tun kann.
Risikofaktor "Pille"
Die Empfängnisverhütung mit der "Pille" bringt ein erhöhtes Schlaganfallrisiko mit sich. Dabei stärker gefährdet: Frauen, die rauchen, übergewichtig sind oder an einer Migräne leiden.
Was Sie tun können
- Mit dem Rauchen aufhören.
- Gewichtsreduktion.
- Eine andere Art der Empfängnisverhütung wählen.
Was man gegen den Schlaganfall tun kann
Die beste Maßnahme gegen den Schlaganfall: die Vorbeugung
In der Behandlung des Schlaganfalls sind große Fortschritte erzielt worden. Dennoch: schwere Verläufe und bleibende Behinderungen sind vielfach noch nicht zu verhindern. Die beste Strategie gegen den Schlaganfall lautet daher nach wie vor: Es gar nicht erst dazu kommen lassen!
Dafür müssen vorhandene Risikofaktoren erkannt und konsequent bekämpft werden. Zusätzlich stehen dem Arzt verschiedene Medikamente zur Verfügung, die er je nach Lage der Dinge einsetzen kann, um einen ersten oder einen weiteren Schlaganfall zu verhüten.
Den Risikofaktoren entgegenwirken
Konsequente Bekämpfung der Risikofaktoren mindert auch die Gefahr eines Herzinfarktes.
Hier können Sie selbst am meisten für sich tun. Und alle hier erzielten Erfolge lohnen in mehrfacher Hinsicht: Sie senken nicht nur das Risiko für einen Schlaganfall, sondern oft auch für einen Herzinfarkt oder andere gefäßbedingte Krankheiten. Was Sie gegen die jeweiligen Risikofaktoren unternehmen können, haben wir weiter oben schon besprochen.
Medikamente
Thrombozytenfunktionshemmer
Erinnern Sie sich an das Blutgerinnsel, das sich in einer arteriosklerotisch veränderten Arterie bilden kann? Genau hier setzen Substanzen an, die als "Thrombozytenfunktionshemmer" bezeichnet werden. An der Entstehung eines Blutgerinnsels (Thrombus) sind die Blutplättchen (Thrombozyten) maßgeblich beteiligt. Sie sind spezialisierte Blutzellen, die eine Verletzung des Gefäßes erkennen und sofort versuchen, die betroffene Stelle abzudichten. Und das ist auch gut so, da sonst selbst kleinere Wunden gefährlich werden könnten. Bei der Arteriosklerose liegt der Fall ein wenig anders: hier bildet sich das Gerinnsel ja unerwünschterweise in der Arterie und verschließt sie im schlimmsten Fall. Und das gilt es natürlich zu verhindern. Thrombozytenfunktionshemmer mindern die Gefahr der Blutgerinnselbildung.
Diese Medikamente wirken nun auf die Blutplättchen und beeinflussen sie so, daß die Gefahr der Gerinnselbildung deutlich vermindert wird. Und damit das Risiko für einen Schlaganfall. Die normale Blutstillung, die wir ja weiter brauchen, bleibt weitgehend erhalten.
Eine Substanz aus dieser Gruppe ist Ihnen wahrscheinlich bekannt: die Azetylsalizylsäure (ASS). Eine neuere Entwicklung ist z. B. das Clopidogrel (Isocover®, Plavix®).
Wie schon gesagt, kann die weitere Entwicklung einer Arteriosklerose zwar verlangsamt werden. Die vorhandenen Schäden bilden sich aber wohl nicht mehr zurück. So bleibt immer ein gewisses Risiko bestehen. Die Behandlung muß daher auf Dauer fortgeführt werden.
Gerinnungshemmer
Bestimmte Formen der Blutgerinnsel lassen sich besser mit Substanzen verhindern, die nicht auf die Blutplättchen wirken, sondern die Gerinnungsfähigkeit des Blutes auf andere Weise herabsetzen. Man nennt sie auch "Gerinnungshemmer" oder "Antikoagulantien". Sie werden in der Vorbeugung eines Schlaganfalls meist nur dann eingesetzt, wenn die Gefahr einer Gerinnselbildung im Herzen besteht – wie bei Herzrhythmusstörungen, nach einem Herzinfarkt oder nach Herzoperationen.
Operative Verfahren
Entfernung eines arteriosklerotischen Polsters
In manchen Fällen kommt auch ein Verfahren in Betracht, mit dem eine hochgradige Verengung eines Hirngefäßes beseitigt wird. Dabei wird ein Katheter an die Engstelle vorgeschoben und die arteriosklerotische Verengung entfernt. In der medizinischen Fachsprache heißt diese Methode "Endarterektomie".
Was kann ich sonst noch tun?
Arbeiten Sie mit Ihrem Arzt zusammen. Ändern Sie nicht ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt Ihre Medikamente. Und scheuen Sie sich nicht, noch einmal nachzufragen, wenn Sie etwas nicht verstanden haben.
Warnsignale: Wenn sich ein Schlaganfall ankündigt
Es stimmt nicht, daß der Schlaganfall immer wie ein Blitz aus heiterem Himmel kommt. Vielfach kündigt er sich durch Warnsignale an. In diesen Fällen hat ein Blutgerinnsel nur vorübergehend ein Blutgefäß verschlossen und sich dann wieder von selbst aufgelöst. Die Symptome dauern meist nur wenige Sekunden oder Minuten. In der Fachsprache nennt man dies eine "Transitorische Ischämische Attacke", kurz TIA. Im Süddeutschen Sprachraum wird oft auch von einem "Schlägle" gesprochen.
Warnsignale ernst nehmen! Sofort den Arzt aufsuchen!
Hier besteht die große Chance, Schlimmeres zu verhüten. Man muß die Warnzeichen allerdings ernst nehmen. Sie sind nicht immer stark ausgeprägt und nach kurzer Zeit schon wieder vorbei. Man könnte glauben, es habe sich um eine vorübergehende Schwäche gehandelt. Aber es droht große Gefahr! Sehen Sie Warnsignale wie einen Notfall! Informieren Sie sofort Ihren Arzt oder einen Notarzt, wenn Sie folgende Anzeichen an sich bemerken:
Die Warnsignale:
- Plötzliche Muskelschwäche oder Taubheitsgefühl in Gesicht, Armen oder Beinen
- Sehstörungen:
- Kurzzeitige Erblindung eines Auges – manchmal wie ein Vorhang, der sich senkt
- Doppelbilder (man sieht alles doppelt)
- Verschwommenes Sehen
- Hörstörungen:
- Schwerhörigkeit
- Taubheit
- Schwindelgefühl
- Gangunsicherheit, man eckt selbst in der vertrauten Wohnung an oder stürzt plötzlich ohne ersichtlichen Grund
- Sprech- und Sprachstörungen:
- Plötzliche Unfähigkeit zu sprechen
- Undeutliche Aussprache
- Man versteht nicht, was gesagt wird
- Schluckstörungen
- Bislang nicht gekannter, plötzlich einsetzender Kopfschmerz
Der Arzt wird Sie gründlich untersuchen und gegebenenfalls weitere Maßnahmen einleiten.
Notfall Schlaganfall
Beim Schlaganfall zählt jede Minute! Je eher die Behandlung einsetzt, um so besser.
Was ist zu tun? Das Wichtigste ist, einen Schlaganfall auch zu erkennen. Die Symptome sind die gleichen wie bei den Warnsignalen, nur dass sie meist stärker ausgeprägt sind und nicht wieder weggehen:
- Plötzlich einsetzende Lähmung des Armes, des Beines oder einer gesamten Körperhälfte, mit oder ohne Taubheitsgefühl
- Herunterhängender Mundwinkel
- Heftiges Schwindelgefühl mit starken Gleichgewichtsstörungen
- Übelkeit und Erbrechen
- Sprech- und Sprachstörungen.
- Sehstörungen
- Bewußtseinsverlust
- Plötzliche starke Kopfschmerzen
Beim Schlaganfall ist jede Sekunde kostbar. Nicht zögern, Notarzt rufen!
Gleichgültig, wo und wann ein Schlaganfall auftritt, entscheidend ist die möglichst schnelle Hilfe. Je rascher ärztliche Hilfe einsetzt, desto besser. Deshalb zögern Sie nicht, alarmieren Sie den Notarzt. Auch dann, wenn die betreffende Person nur über leichte Beschwerden klagt.
Dem Betroffenen selbst sollte man bis zum Eintreffen des Notarztes Erste Hilfe leisten:
- Atemwege freihalten
- Trägt der Kranke eine Zahnprothese, sollte man diese entfernen
- Bei Bewußtlosigkeit den Betroffenen in die stabile Seitenlage bringen
- Bei Herz-Kreislaufstillstand Wiederbelebungsmaßnahmen ergreifen
- Fenster im Zimmer öffnen, um die Sauerstoffzufuhr zu verbessern
- Beengende Kleidungsstücke lockern
- Für Ruhe sorgen
- Aufschreiben und dem Notarzt übergeben:
- Uhrzeit, wann die Symptome begonnen haben.
- Liste der Medikamente, die der Betroffene einnimmt.
- Medikamente selbst auch mitgeben.
Was passiert im Krankenhaus?
Mit der Behandlung des Patienten beginnt bereits der Notarzt. Dabei stehen die lebensrettenden Sofortmaßnahmen im Vordergrund. In der Klinik werden zusätzlich sofort die nötigen diagnostischen Schritte eingeleitet. Es muß geklärt werden, um welche Form des Schlaganfalls es sich handelt. Für die Behandlung ist es ein großer Unterschied, ob der Schlaganfall durch ein verstopftes Hirngefäß oder durch eine Blutung verursacht wurde. Auch andere Kriterien, wie z. B. die Schwere des Schlaganfalls, haben Einfluß auf die Therapie.
Notfalldiagnostik
Die sogenannte Computertomographie (CT) gehört heute praktisch zum Standard in der Schlaganfalldiagnostik. Es handelt sich dabei um eine spezielle Röntgentechnik, mit deren Hilfe der Arzt unter anderem sehr genau unterscheiden kann, ob ein Gefäßverschluß oder eine Blutung vorliegt. Mit Hilfe von Ultraschall und der Dopplersonographie kann man den Blutfluß in den Hirngefäßen untersuchen und etwaige Engstellen erkennen. In manchen Fällen kann eine Angiographie notwendig sein. Dies ist ein Verfahren, mit dem z. B. Blutungsquellen oder Fehlbildungen der Gefäße sehr genau festgestellt werden können. Das Elektrokardiogramm (EKG) liefert unter anderem Hinweise, ob eine Herzrhythmusstörung Ursache für den Schlaganfall sein könnte. Auch Laboruntersuchungen wie Blutbild, Blutzucker, Leberund Nierenwerte werden routinemäßig durchgeführt.
Die Behandlung
Die Basisbehandlung ist praktisch für alle Formen des Schlaganfalls gleich. Es wird unter anderem dafür gesorgt, daß der Patient genügend Sauerstoff und Flüssigkeit erhält, die Blutdruck und Blutzuckerwerte in einem günstigen Bereich liegen und die normale Körpertemperatur von 37’ nicht überschritten wird. Außerdem werden alle lebenswichtigen Körperfunktionen intensiv überwacht. Die spezifische Behandlung richtet sich nach der Ursache des Schlaganfalls. Wenn ein Blutgerinnsel das Gefäß verstopft hat und der Beginn des Schlaganfalls nicht länger als 3 Stunden zurückliegt, kann in bestimmten Zentren der Versuch unternommen werden, das Gerinnsel medikamentös aufzulösen. Man nennt dieses Verfahren "Thrombolyse". Bei einer Blutung oder bei Komplikationen kann eine Operation notwendig sein.
Auch die Vorbeugung vor einem erneuten Schlaganfall beginnt schon in der Klinik. Sie richtet sich ebenfalls nach den Ursachen des Schlaganfalls. Die Medikamente und Methoden, die hier zum Einsatz kommen – Thrombozytenfunktionshemmer, Gerinnungshemmer oder auch die Beseitigung einer Engstelle – haben wir schon besprochen. Sobald es der Zustand des Patienten zuläßt, wird mit der Mobilisation und Frührehabilitation begonnen. Die Patienten lernen unter Anleitung der Therapeuten, die beeinträchtigten Funktionen zurückzugewinnen. Falls erforderlich, kann im Anschluß eine meist mehrwöchige Rehabilitation begonnen werden.
Nach dem Schlaganfall: Wie geht es weiter?
Die Folgen: Worauf Sie sich einstellen müssen.
Trotz allen Fortschritts in der Medizin sind bleibende Behinderungen nicht immer abzuwenden.
Einige Wochen nach einem Schlaganfall kann abgeschätzt werden, mit welchen Dauerschäden gerechnet werden muß. Häufig sind Lähmungen, Gefühlsstörungen oder Sprachstörungen, oft begleitet von Konzentrationsstörungen und rascher Ermüdbarkeit. Aber so schwer der Zustand des Betroffenen am Anfang auch sein mag: im Laufe der Behandlung sind oft große Fortschritte möglich. Und auch danach kann es durch intensives und anhaltendes Üben zu Verbesserungen kommen, die man anfänglich kaum für möglich hielt.
Die ersten Besuche
Die ersten Krankenbesuche sind weder für den Patienten noch für die Angehörigen problemlos. Folgende Hinweise können die Begegnungen erleichtern:
- Bereiten Sie sich innerlich so gut wie möglich vor
- Treten Sie dem Patienten gefaßt und liebevoll gegenüber
- Vermitteln Sie Zuversicht und Geborgenheit. Aber vermeiden Sie eine Bagatellisierung des Geschehenen
- Vermeiden Sie auch Zwiegespräche über den Patienten im Krankenzimmer - nicht selten hört der Patient besser als es scheint
- Hat der Patient Schwierigkeiten zu sprechen, sollten Fragen so formuliert werden, daß er mit Ja und Nein oder mit Kopfnicken und Kopfschütteln antworten kann. Auch der Einsatz der Körpersprache kann hilfreich sein
Neben den körperlichen Behinderungen leidet der Betroffene anfänglich meist sehr unter Angst, Hoffnungslosigkeit und Unsicherheit. Besonders eine Sprachstörung und die Unfähigkeit, sich anderen mitzuteilen, belastet schwer. Wenn der Patient über seine Gefühle und Ängste reden möchte, sollte geduldig zugehört werden.
Rehabilitation - Hilfe zur Selbsthilfe
Glücklicherweise ist unser Gehirn in der Lage, bestimmte Ausfälle auszugleichen. Die betroffenen Funktionen wie Sprachverständnis oder auch Bewegungsabläufe müssen dafür aber intensiv und geduldig wieder gelernt und geübt werden. Dies geschieht mit den ausgeklügelten Methoden der neurologischen Rehabilitation. Sie kann vielfach wieder die Aussicht auf ein aktives Leben eröffnen. Ziel der Rehabilitation ist es, dem Patienten die Wiedereingliederung in das Berufsund Privatleben zu ermöglichen und ihm Selbständigkeit und Unabhängigkeit weitgehend zurückzugeben.Dies ist ein langer Prozeß, der auch nach der Entlassung aus der Rehaklinik fortgeführt werden muß. Ein bereits erzielter Fortschritt kann wieder verloren gehen, wenn er nicht unablässig geübt wird. Rehabilitationskliniken ähneln mehr einem Hotel als einem Krankenhaus. Die Zimmer sind wohnlich gestaltet, es stehen Fernsehräume und Lesezimmer zur Verfügung, die Besuchszeiten sind großzügig geregelt. Die Behandlung erfolgt im Team, das von einem Arzt geleitet wird. Ihm stehen spezielle Therapeuten, Schwestern und Pfleger zur Seite. Der Arzt stellt mit seinem Team einen individuellen Behandlungsplan auf:
- Durch krankengymnastische Übungen wird die Beweglichkeit verbessert, die Muskulatur gestärkt und eine Verkrampfung der Muskulatur gelockert
- Sprachstörungen werden durch speziell ausgebildete Sprachtherapeuten behandelt
- Die Ergotherapie fördert das Zurechtfinden im täglichen Leben und übt beispielsweise den Umgang mit Haushaltsgeräten, das An- und Ausziehen oder die körperliche Hygiene. Hier werden Sie auch beraten, welche Hilfsmittel für Sie in Frage kommen
- Störungen der Merk-, Gedächtnis oder Konzentrationsleistungen werden durch Übungsprogramme gebessert, die individuell auf jeden Patienten zugeschnitten sind
Eine psychosoziale Betreuung hilft, den Umgang mit der neuen Lebenssituation zu erleichtern.
Wichtige Hilfestellungen ganz praktischer Art leisten die Sozialarbeiter der Klinik. Sie wissen, welche beruflichen oder finanziellen Hilfen und Unterstützungen ihnen zustehen. Auch wenn es darum geht, Lösungen beim Übergang in die ambulante Rehabilitation am Wohnort zu finden, sind sie die richtigen Ansprechpartner. Wenn eine Wiederaufnahme einer Berufstätigkeit möglich scheint, sollten Sie sich bereits in der Rehabilitation mit dem Arbeitsamt in Verbindung setzen. Die Rehabilitation sollte nach dem Klinikaufenthalt ambulant fortgeführt werden.
Wieder zu Hause
Es bedeutet einen großen Fortschritt, wieder zu Hause zu sein. Jetzt geht es darum, das Gelernte im Alltag umzusetzen. Natürlich wird man für das Eine oder Andere noch Unterstützung benötigen. Wichtig ist, nicht aufzugeben und auch Dinge, die schwer fallen, immer wieder zu üben. Denn Sie können ständig weitere Fortschritte machen. Sie und Ihre Familie müssen überlegen, wie sie durch Veränderungen in der Wohnung Ihrer Behinderung Rechnung tragen, um Unfällen vorzubeugen, aber auch um Ihre Unabhängigkeit von Hilfeleistungen zu unterstützen.
Zu klären ist beispielsweise, wo Haltegriffe angebracht werden können, ob Türschwellen, lose verlegte Kabel oder Teppichkanten eine Gefahr darstellen, welche Veränderungen im Bad vorgenommen werden sollten und ähnliches.
Bei Anschaffung von Hilfsmitteln sollte den Empfehlungen des Ergotherapeuten gefolgt werden, denn Hilfsmittel sollten nicht zu einer Überversorgung führen. Klären Sie vor dem Kauf auf jeden Fall die Kostenübernahme bei der Krankenkasse oder Rentenversicherung. Eine eventuell notwendige Betreuung durch Angehörige verlangt von diesen ein hohes Maß an psychischer Stabilität, Geduld und Einfühlungsvermögen. Es besteht die Gefahr, sich zu übernehmen. Denken Sie auch an sich! Sie helfen niemandem, wenn Sie sich überfordern. Auch Sie benötigen Erholung und Ihren Freiraum.
Berufliches
Wenn die Wiederaufnahme einer Berufstätigkeit möglich scheint, sollten Sie sich schon in der Rehabilitation mit dem Arbeitsamt in Verbindung setzen und beraten lassen.
Finanzielles
Kümmern Sie sich frühzeitig um finanzielle Unterstützung. Hier handelt es sich nicht um Almosen, sondern für solche Situationen geschaffene Sicherungssysteme, für die wir alle ja auch zahlen. Hinweise auf Ansprechpartner oder Informationsquellen finden Sie weiter unten.
Selbsthilfegruppen
Gemeinsam geht vieles leichter. Andere haben oft die gleichen Probleme gehabt und schon längst gelöst. Sie werden ihre Erfahrungen sicher gern an Sie weitergeben.
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