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Spannungskopfschmerz

Was ist Spannungskopfschmerz?

„Mein Kopf ist in einen Schraubstock eingespannt.“ „Auf meinem Schädel lastet ein schweres Gewicht.“ So beschreiben Patienten mit Spannungskopfschmerz ihre Beschwerden. In Deutschland leidet schätzungsweise ein Drittel der Bevölkerung gelegentlich unter dieser Kopfschmerzform.

Weil dieser Kopfschmerz scheinbar jedoch so wenig spektakulär ist und die Arbeitsfähigkeit weniger beeinträchtigt als etwa die Migräne, wurde er von Ärzten und Wissenschaftlern lange Zeit vernachlässigt. So waren etwa für diese Kopfschmerzart früher wenig konkrete Begriffe wie „normaler Kopfschmerz“ oder „Stresskopfschmerz“ gebräuchlich. Inzwischen ist jedoch klar, dass der Spannungskopfschmerz die häufigste Kopfschmerzform ist und die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit der Betroffenen stark einschränkt. Darum handelt es sich bei dieser Krankheit keineswegs um eine „Lapalie“.

Symptomatik

Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (IHS) hat die Symptome des Spannungskopfschmerzes sehr genau definiert.

  • Der Schmerz ist dumpf-drückend bis ziehend und nicht pulsierend
  • Der Schmerz tritt zumeist auf beiden Seiten des Kopfes auf (Er breitet sich häufig vom Nacken zur Stirn oder von der Stirn zum Nacken aus und zieht auch die Augen oder Wangen in Mitleidenschaft.)
  • Der Schmerz ist von leichter bis mäßiger Intensität
  • Der Schmerz wird bei körperlicher Bewegung nicht stärker
  • die Migräne-typischen Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- Lärm- und Geruchsempfindlichkeit fehlen zumeist
  • Allgemeinbefinden und Leistungsfähigkeit sind deutlich weniger eingeschränkt als bei einer Migräne. Dennoch beeinträchtigt der Spannungskopfschmerz bei mehr als der Hälfte der Betroffenen Arbeitsleistung und soziale Aktivitäten.

Experten unterscheiden zwei Formen dieser Kopfschmerzart: den gelegentlichen (episodischen) und den chronischen Spannungskopfschmerz.

Gelegentlicher Spannungskopfschmerz

Bei diesem Typ treten die Kopfschmerzen an höchstens 14 Tagen im Monat auf. Zumeist sind sie jedoch deutlich seltener. Ein Anfall dauert von 30 Minuten bis zu sieben Tagen. Der gelegentliche Spannungskopfschmerz stellt sich oft in Konflikt- oder Stresssituationen ein. Auslöser können Autofahren, Anspannung am Arbeitsplatz oder schlecht gelüftete Räumen sein.

Chronischer Spannungskopfschmerz

Vom chronischen Spannungskopfschmerz sprechen Mediziner, wenn die Kopfschmerzen an mehr als 14 Tagen im Monat oder an mehr als 180 Tagen im Jahr auftreten. Die Schmerzen werden bei der chronischen Form – ausgehend von gelegentlichen Beschwerden – immer häufiger, im schlimmsten Fall werden sie zu einer täglichen oder fast täglichen Belastung. Der Kranke steht mit Kopfschmerzen auf und geht mit Kopfschmerzen zu Bett. Konflikt- und Stresssituationen können nicht mehr als Auslöser bezeichnet werden und Erholungsphasen am Wochenende oder im Urlaub bringen kaum noch Besserung.

Spannungskopfschmerz gibt es mit oder ohne Muskelanspannung

Bei Patienten mit Spannungskopfschmerzen diagnostizieren die Ärzte häufig eine erhöhte Schmerz- und Druckempfindlichkeit der Muskulatur im Hals- und Nackenbereich. Diese so genannte „Tenderness“ (Druckempfindlichkeit) nimmt in der akuten Attacke noch zu. Da nicht alle Kranken eine solche erhöhte Muskelanspannung haben, unterscheiden Kopfschmerz-Spezialisten heute zusätzlich zwischen einem Spannungskopfschmerz mit und ohne Muskelanspannung.

An Spannungskopfschmerzen leiden viele Menschen

Neben der Migräne zählt der Spannungskopfschmerz zu den häufigsten Kopfschmerzformen. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung leidet unter gelegentlichen Spannungskopfschmerzen, wobei Frauen etwas häufiger betroffen sind als Männer. Bei vielen Menschen tritt diese Kopfschmerzart erst gegen Ende des dritten Lebensjahrzehnts auf.

Unter chronischen Spannungskopfschmerzen leiden etwa zwei bis drei Prozent der Bevölkerung, also zwischen 1,3 und zwei Millionen Menschen. Mehr als die Hälfte der Betroffenen berichtet, dass ihre Schmerzen die Lebensqualität und die Leistungsfähigkeit beeinträchtigten. Dennoch gehen über 80 Prozent der Patienten nicht zum Arzt, noch weniger suchen einen Spezialisten auf. Stattdessen behelfen sie sich mit freiverkäuflichen Schmerzmitteln. 15 Prozent der Patienten kommen ohne Medikamente aus.

Der volkswirtschaftliche Schaden durch Spannungskopfschmerz ist erheblich: Nach einer Studie verlieren acht Prozent der Patienten mit gelegentlichem Spannungskopfschmerz knapp neun Arbeitstage im Jahr. 44 Prozent berichten von einer reduzierten Arbeitsleistung an fünf Tagen. Beim chronischen Spannungskopfschmerz verlieren zwölf Prozent der Patienten 27 Arbeitstage, 46 Prozent haben eine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit an 20 Tagen.

Ursachen

Die Ursachen dieser Kopfschmerzart sind bislang nicht geklärt. Experten vermuten, dass es sich um eine organische Erkrankung handelt, bei der innere und äußere Faktoren zusammenspielen.

Fehlhaltungen, Stress und Angst

Zu den äußeren Faktoren gehören etwa ständige Fehlhaltungen bei der Arbeit, etwa am Schreibtisch, beim Autofahren oder beim Schlafen. Dies verursacht Verspannungen der Muskulatur. Weitere Belastungen können Stress, Angst, emotionale oder sexuelle Probleme sein. Diese Faktoren können langfristig die Verarbeitung von Schmerzreizen in Rückenmark und Gehirn verändern.

Störung in der Schmerzverarbeitung

Experten diskutieren als weitere Ursache eine Störung im schmerzverarbeitenden System des Gehirns. Möglicherweise ist bei Patienten mit Spannungskopfschmerzen die Schmerzempfindlichkeit erniedrigt, so dass sie Schmerzreize stärker spüren als gesunde Menschen. Die Patienten empfinden zum Beispiel schon das Gewicht des Kopfes auf den Schultern oder die Anspannung der Nacken-Schulter-Muskulatur als schmerzhaft. Wird dieses Zusammenwirken von inneren und äußeren Faktoren nicht durchbrochen, werden schmerzlindernde Impulse blockiert: Der gelegentliche Kopfschmerz wird dann chronisch.

Depressionen sind keine Seltenheit

In einer amerikanischen Studie nannten Patienten mit chronischen Spannungskopfschmerz in 65 Prozent der Fälle Stress als häufigsten Trigger, gefolgt von Ernährung (38 Prozent) und Menstruation (34 Prozent). Im Vergleich zu gesunden Personen waren Stresserleben, Depression und Angst bei den Kopfschmerzpatienten besonders stark ausgeprägt. Umgekehrt können jahrelange Kopfschmerzen, die über eine lange Zeit hinweg das Wohlbefinden beeinträchtigen, zu mangelnder Bewältigung von Alltagsbelastungen, psychischen Auffälligkeiten und zu depressiven Verstimmungen führen.

Insgesamt leiden darum fast 40 Prozent der Spannungskopfschmerz-Kranken unter mehr oder minder ausgeprägten depressiven Verstimmungen. In der Diagnostik ist deshalb wichtig zu prüfen, ob die Betroffenen neben den Kopfschmerzen auch an einer begleitenden Depression leiden. Denn diese sollte mit in die Behandlung des Spannungskopfschmerzes einbezogen werden. Konzentrationsprobleme, Abgeschlagenheit, Stimmungsschwankungen, Traurigkeit oder Selbstmordgedanken beispielsweise können auf eine begleitende Depression hinweisen.

Die Entwicklung eines chronischen Spannungskopfschmerzes kann darüber hinaus mit negativen Erlebnissen zusammenhängen. In einer Studie bei Kindern und Jugendlichen zwischen vier und 19 Jahren beobachteten Forscher im Jahr vor dem Erkrankungsbeginn eine höhere Rate geschiedener Eltern und weniger Freundschaften als bei Migränikern.

Genetische Faktoren

Dänische Wissenschaftler haben gezeigt, dass auch Erbfaktoren beim chronischen Spannungskopfschmerz eine Rolle spielen: Verwandte ersten Grades von Patienten mit chronischen Spannungskopfschmerzen haben gegenüber der Normalbevölkerung ein erhöhtes Risiko, ebenfalls an dieser Kopfschmerzart zu erkranken. Danach haben Kinder betroffener Eltern ein 3,5-fach höheres Risiko gegenüber der Normalbevölkerung zu erkranken. Geschwister von Patienten sind um den Faktor 2,1 anfälliger. Unklar ist noch, ob diese Merkmale nur für den Spannungskopfschmerz gelten oder ob sie generell bei der Entstehung chronischer Schmerzerkrankungen eine Rolle spielen.

Diagnostik

Der wichtigste Experte für den Spannungskopfschmerz ist die Patientin oder der Patient selbst. Denn aus der konkreten Beschreibung des Schmerzes, ergänzt durch eine körperliche und neurologische Untersuchung, kann der Arzt die Diagnose stellen.

WICHTIG: Kopfschmerz-Tagebuch führen

Ein Kopfschmerz-Tagebuch, in dem alle Informationen über die Art, Stärke und Dauer der Schmerzen notiert werden, ist ganz entscheidend für die Diagnose und eine erfolgreiche Behandlung.

Allerdings können sich hinter einem Kopfschmerz auch andere ernsthafte Krankheiten verbergen. Dann sprechen Experten von einem so genannten sekundären Kopfschmerz, da er Symptom einer anderen Erkrankung ist.

Apparative Diagnostik nur in Ausnahmefällen erforderlich

Fieber sowie Lärm- und Lichtempfindlichkeit können beispielsweise ein Zeichen für Entzündungen der Stirn- und Kieferhöhlen oder Hirnhäute sein. Vorsicht ist auch geboten, wenn durch Kopfbewegungen, Husten, Niesen oder Pressen die Kopfschmerzen zunehmen oder wenn der dumpfe, beidseitige Schmerz in Phasen auftritt. Bei diesen Symptomen muss der Arzt an krankhafte Vorgänge im Schädelinneren denken. Bei diesem Befund sind apparative Diagnoseverfahren wie Computer- oder Kernspintomographie erforderlich.

In den allermeisten Fällen handelt es sich jedoch um eine primäre Kopfschmerzerkrankung, so dass der Arzt abwägen muss, um welche Form es sich handelt. Häufig sind neben dem Spannungskopfschmerz die Migräne, der Kombinationskopfschmerz, der Schmerzmittelkopfschmerz (verursacht durch eine zu häufige Einnahme von Analgetika) und der Halswirbelsäulenkopfschmerz. Weisen alle Symptome eindeutig auf einen Spannungskopfschmerz hin, kann auf die apparative Diagnostik verzichtet werden.

Kombinationskopfschmerz

Beim Kombinationskopfschmerz vermischt sich der Spannungskopfschmerz mit der Migräne und ihren Begleitsymptomen. Für die betroffenen Patientinnen und Patienten ist es von großer Wichtigkeit, die beiden Kopfschmerztypen anhand ihrer Symptome unterscheiden zu lernen, weil sie unterschiedlich behandelt werden müssen. Bei einer Migräneattacke sollen Schmerzmittel frühzeitig genommen werden, während sie bei häufigen Spannungskopfschmerz nicht angezeigt sind.
Wer bei leichten Spannungskopfschmerz zu oft Schmerzmittel einnimmt, läuft Gefahr, einen so genannten Schmerzmittelkopfschmerz zu provozieren. Werden acht bis zehn Mal pro Monat Schmerzmittel konsumiert, können diese bei Kopfschmerzpatienten selbst Kopfschmerzen verursachen.

Spannungskopfschmerz und Migräne unterscheiden
  • Der Spannungskopfschmerz setzt häufig während des Tages ein, während die Migräne typischerweise nachts oder gegen Morgen beginnt.
  • Der Spannungskopfschmerz ist nie so stark wie der Migräneschmerz.
  • Spannungskopfschmerz ist meist beidseitig, während die Migräne eher ein- als beidseitig auftritt.
  • Beim Spannungskopfschmerz fehlen im Gegensatz zur Migräne weitgehend das Pulsieren und Pochen des Schmerzes und die typischen vegetativen Symptome wie Übelkeit, Brechreiz, Erbrechen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit sowie Sehstörungen.
  • Zwar kann auch der Spannungskopfschmerz mit mäßiger Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit verbunden sein, doch sind die Symptome nie so stark ausgeprägt wie bei der Migräne. (Detailierte Informationen über die Migräne finden sie in der Patienteninformation „Migräne“, ebenfalls auf der Homepage der DMKG.)

Therapie

Der Spannungskopfschmerz kann mit verschiedenen Medikamenten behandelt werden. Wichtiger Bestandteil der Therapie, besonders bei chronischen Spannungskopfschmerzen, sind alle Verfahren, die zur Entspannung und Stärkung des Körpers beitragen.

Gelegentlicher Kopfschmerz: Akut behandeln

Bei akuten Schmerzen helfen Schmerzmittel wie Paracetamol oder Acetylsalicylsäure. Eine Dosis von 500 bis 1.000 Milligramm sollte nicht überschritten werden. Antirheumatika wie Ibuprofen (400 bis 600 Milligramm) oder Naproxen (250 bis 500 Milligramm, rezeptpflichtig) können alternativ verwandt werden und sind wirksamer als Kombinationspräparate.

Einige Studien belegen, dass sich Spannungskopfschmerzen mit Pfefferminzöl-Lösung behandeln lassen. Das ätherische Öl, das auf Stirn und Schläfen aufgetragen wird, hat eine kühlende und schmerzlindernde Wirkung.

Chronischer Spannungskopfschmerz: Vorbeugen

Wenn der Spannungskopfschmerz chronisch geworden ist, raten Experten von Schmerzmitteln ab. Denn wenn mehr als acht bis zehn Mal im Monat Analgetika eingenommen werden, besteht die Gefahr, dass sich ein Schmerzmittelkopfschmerz entwickelt und sich damit die Situation des Betroffenen verschlimmert.

Patienten, die länger als drei Monate, jeden zweiten Tag oder sogar täglich Spannungskopfschmerzen haben, brauchen deshalb eine vorbeugende Therapie. Empfohlen werden Medikamente, die normalerweise zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden, zum Beispiel Amitriptylin und Amitriptylinoxid. Diese verschreibungspflichtigen Antidepressiva beeinflussen die Schmerzverarbeitung im Gehirn und machen nicht abhängig. (Sie sind nicht zu verwechseln mit Beruhigungsmitteln, so genannten Benzodiazepinen, die ein Suchtpotential haben.)

Wichtig ist, dass die Patienten die Wirkung der Antidepressiva kennen und die Behandlung akzeptieren. Die Therapie dauert im Durchschnitt sechs Monate. Die Behandlung setzt mit geringen Dosen des Medikaments ein, die zur Nacht eingenommen und langsam gesteigert werden. Der Patient muss sowohl auf die Wirkung als auch auf die Verträglichkeit des Mittels achten. Mögliche Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Mundtrockenheit oder Gewichtszunahme sollten sich im Rahmen halten. Die erste Besserung der Kopfschmerzen zeigt sich normalerweise nach etwa vier bis sechs Wochen.

Auf dem Prüfstand: Ein Bakteriengift

Wissenschaftler untersuchen zur Zeit an mehreren deutschen Kliniken, ob das Bakteriengift Botulinumtoxin in Zukunft zur Behandlung des chronischen Spannungskopfschmerzes eingesetzt werden kann. Es gibt Hinweise, dass eine Injektion des Bakteriengifts in Stirn- und/oder Nacken-Muskulatur diese entspannen und damit die Beschwerden für circa drei Monate lindern kann.

Auf die Idee, Botulinumtoxin gegen Kopfschmerzen einzusetzen, kamen im Übrigen Schönheitschirurgen, die mit dem Mittel Mimikfalten behandelten. Sie stellten dabei fest, dass sich bei Patienten mit Spannungskopfschmerzen die Beschwerden innerhalb weniger Tage bis Wochen besserten.

Nicht-medikamentöse Behandlungsmethoden: Entspannung und Stressbewältigung im Vordergrund

Durch Entspannungstechniken wie ein Stressbewältigungstraining, Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Biofeedback und andere psychologische Strategien kann erreicht werden, dass sich Betroffene gegen die inneren und äußeren Belastungsfaktoren "immunisieren".

Stressbewältigungstraining ist sinnvoll, wenn Spannungskopfschmerzen in Stresssituationen auftreten.

Das Erleben von Stress hängt nicht nur von äußeren Bedingungen, sondern von der eigenen Einschätzung der Situation ab. Darum lernen Patienten in solchen Trainings, ihre persönlichen Stressfaktoren zu erkennen und besser damit umzugehen. Dazu gehört auch, Dinge zu denken und zu tun, die Freude und Kraft schenken. Zur Stressvermeidung gehört auch die bewusste Gestaltung des Alltags.

Eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung verbessern die körperliche Situation. Auch durch richtiges Sitzen am Schreibtisch oder im Auto kann Kopfschmerzen vorgebeugt werden. Zur Alltagsbewältigung gehört auch, den Tag realistisch zu planen und sich nicht permanent selbst zu überfordern.

Hilfreich, um bewusst mit dem eigenen Körper umzugehen und den Verlauf der Behandlung für sich selbst und den behandelten Arzt festzuhalten, ist ein Kopfschmerztagebuch. Darin sollte notiert werden, wann, wie schwer und wo die Kopfschmerzen aufgetreten sind. Auch die möglichen Auslöser, Begleitsymptome, Art und Menge der eingenommenen Medikamente und die Dauer der Schmerzen gehören dazu. Entsprechend Ihrer Beobachtungen kann der behandelnde Arzt die Therapie genau an die Bedürfnisse der Patienten anpassen. Damit stellen die Patienten aktiv die Weichen für eine erfolgreiche Therapie.

Bei der Progressiven Muskelentspannung nach Jacobson werden im Sitzen oder Liegen die Muskeln eines Körperteils für einige Sekunden angespannt und dann wieder entspannt. Zum Beispiel ballt man die Hand zur Faust, öffnet und lockert sie wieder. Neben der direkten Muskelentspannung verringert sich auch die Schmerzanfälligkeit des ganzen Organismus.

Die Biofeedback-Therapie eignet sich für Kranke, bei denen der Spannungskopfschmerz mit einer deutlichen Muskelanspannung verbunden ist. Dabei werden Elektroden an Kopf und Nacken angelegt, die den Spannungszustand der Muskulatur anzeigen. In der Therapie lernt der Patient, bewusst die Stirn-, Schläfen- oder Nackenmuskulatur zu entspannen und bekommt den Erfolg zurückgemeldet. Die Biofeedback-Therapie sollte wie alle anderen Entspannungstechniken konsequent erlernt und dann auf Dauer angewendet werden.

Die Kosten für solche verhaltensmedizinischen Maßnahmen übernehmen fast immer die Krankenkassen, vorausgesetzt, dass sie von einem darin ausgebildeten Arzt oder Psychologen durchgeführt werden. Patienten sollten am besten selbst bei ihrer Krankenkasse nachfragen.

Hilfreich: Sanfter Ausdauersport

Neben Entspannungstechniken hilft Ausdauersport den Griff zur Schmerztablette zu vermeiden. Schon drei mal 30 Minuten pro Woche Laufen, Schwimmen oder Rad fahren stärken den Körper gegen die Kopfschmerzen.

Auch Wasseranwendungen, kühle Kompressen und Selbstmassage der Nacken- und Schultermuskulatur können zur Besserung beitragen. Untersuchungen belegen, dass die nicht-medikamentösen Strategien zur deutlichen Verringerung des Medikamentenkonsums beitragen, die Befindlichkeit des Patienten verbessern und die Häufigkeit von Kopfschmerzen reduzieren.

Was nicht hilft

Umstritten sind nach wie vor Akupunktur, Massagen und chiropraktische Verfahren in der Therapie von Spannungskopfschmerzen. Auch die Wirkung von Homöopathie, Neural- und Ozontherapie, speziellen Diäten, Zähneziehen oder Amalgamentfernung sind nicht wissenschaftlich bewiesen. Dänische und amerikanische Wissenschaftler zeigten in einer Studie, dass die manualtherapeutische Behandlung der Halswirbelsäule, das sogenannte "Einrenken", bei Spannungskopfschmerz ebenfalls wirkungslos ist.

Die deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft

In der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) haben sich rund 500 Wissenschaftler und Ärzte verschiedener Disziplinen, Apotheker und Psychologen zusammengeschlossen.

Diese Kopfschmerz-Experten engagieren sich in der internationalen Kopfschmerzforschung und wollen dazu beitragen, dass neue wissenschaftliche Erkenntnisse auf diesem Gebiet so schnell wie möglich in die tägliche ärztliche Praxis umgesetzt werden. Denn das oberste Ziel der DMKG ist es, die Behandlung der Millionen Kopfschmerzpatienten in Deutschland zu verbessern.

Darum engagiert sich die DMKG etwa in der medizinischen Aus-, Fort- und Weiterbildung, arbeitet mit anderen nationalen und internationalen Kopfschmerz-Organisationen zusammen, etwa der Internationalen Kopfschmerz-Gesellschaft, veranstaltet Kongresse und Fortbildungsveranstaltungen für medizinische Fachberufe und veröffentlicht Therapie-Empfehlungen zu verschiedenen Kopfschmerzformen. Wenn neue wissenschaftliche Erkenntnisse dies erforderlich machen, werden die Therapie-Empfehlungen jeweils aktualisiert.

Die Therapie-Empfehlungen und neue wissenschaftliche Erkenntnisse sind auch die Grundlage von Informationen für betroffene Patientinnen und Patienten, die ebenfalls von der DMKG veröffentlicht werden.

Die Therapie-Empfehlungen, aktuelle Presse-Mitteilungen und andere aktuelle Informationen über Kopfschmerzen sind auf der Homepage der DMKG unter www.dmkg.de verfügbar.

 
 
 
 
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